Berlin - Was Fluglärm bedeuten kann, lässt sich bundesweit wohl kaum besser darstellen als in Blankenfelde-Mahlow, Landkreis Teltow-Fläming. Vor einigen Tagen zückte der Referent des Bürgermeisters im Wohngebiet Am Fuchsberg sein Lärmmessgerät, um vor den örtlichen Bundestagsdirektkandidaten von CDU, SPD und Linken politische Überzeugungsarbeit zu leisten. Die Vorführung gelang. Manche Flugzeuge dröhnten schätzungsweise 200 Meter über der Gruppe hinweg. Bis zu 80 Dezibel zeigte das Messgerät an. Ein Presslufthammer auf der Straße macht nicht mehr Lärm.

Für einen großen Teil der Anwohner von Blankenfelde-Mahlow wird der Presslufthammer-Lärm nach der Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER zum Dauerproblem. Alle vier Minuten, in Spitzenzeiten sogar alle zwei Minuten, soll der Ort dann in niedrigster Höhe überflogen werden. Von der Doppelgemeinde bis zur nördlichen Start- und Landebahn, die jetzt noch vom alten Flughafen Schönefeld genutzt wird, sind es nur drei oder vier Kilometer. Von 15.000 bis 20.000 Betroffenen geht Blankenfelde-Mahlow aus.

Kein Reaktor-Schutzschild wie am Wannsee

Die Lage des Flughafens bringt es mit sich, dass landende Flugzeuge gar nicht anders können, als den Ort zu überfliegen. Startende Maschinen könnten das wohl schon, wenn sie Blankenfelde-Mahlow nördlich umkurven würden. Doch das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) entschied im Januar 2012 anders. Und muss sich jetzt den bitteren Vorwurf der Gemeinde gefallen lassen, die Doppelbelastung von Starts und Landungen bewusst nicht berücksichtigt zu haben. „Damit ist ein entscheidender Grundsatz verletzt worden“, sagt der Anwalt Franz Günter Siebeck, der die Gemeinde vertritt.

Das Argument wiegt schwer: Denn die Festlegung auf eine andere stark umkämpfte Abflugstrecke, die Müggelseeroute, begründete das BAF gerade damit, die Doppelbelastung für eine Stadt wie Erkner zu vermeiden. Auch Blankenfelde-Mahlow fordert diese Rücksichtsnahme ein.

Am Donnerstag verhandelt das Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin-Brandenburg über die entscheidenden ersten Kilometer dieser strittigen Abflugroute, die Blankenfelde-Mahlow zur schwerstbetroffenen Gemeinde am BER macht. Es ist das dritte Flugrouten-Verfahren – die ersten beiden Verhandlungen gingen enttäuschend für die Kläger aus. Weder bei der Müggelsee- noch bei der Wannseeroute erkannte das OVG Rechtsfehler bei der Streckenfestlegung. Nur der Versuchs-Atomreaktor des Helmholtz-Zentrums in Wannsee, der überflogen werden sollte, verschreckte die Richter und ließ sie Anfang des Jahres die Wannseeroute verbieten – so lange der Reaktor in Betrieb ist. Eine solche gefährliche Einrichtung hat Blankenfelde-Mahlow nicht zu bieten.

Doch Anwalt Siebeck hält die Empfehlung der Fluglärmkommission für angreifbar, die während der Flugrouten-Diskussion kurzfristig mit Vertretern von 17 nur schwach belasteten Gemeinden, Landkreisen und Berliner Stadtbezirken aufgebläht worden war. Diese Vertreter hätten zugunsten ihrer eigenen Entlastung für die Flugroute über Blankenfelde-Mahlow gestimmt – das südliche Lichtenrade etwa blieb vom befürchteten Krach verschont. Bestreiten lässt sich der Vorwurf kaum.