Berlin - Es wurde doch komplizierter als Alexander Fröhlich erwartet hatte. Er ist der persönliche Referent des Bürgermeisters von Blankenfelde-Mahlow und vertrat am Donnerstag seinen erkrankten Chef vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG), wo nun schon zum dritten Mal über die Rechtmäßigkeit einer Flugroute vom künftigen Hauptstadtflughafen BER entschieden wurde. Zunächst sah dabei alles so klar aus. Doch Fröhlichs Optimismus verschwand im Laufe des Tages immer mehr. Dass es am Ende doch noch einen Teilerfolg gab, war für ihn dann fast überraschend. „Wenigstens nachts starten die Flugzeuge nicht über unseren Ortskern“, sagte er am Abend nach einem fast zwölfstündigen Verhandlungs- und Beratungsmarathon.

Bei den beiden vorangegangenen Entscheidungen über die Wannsee- und die Müggelseeroute hatte das OVG keine Fehler erkannt. Nur der Versuchsreaktor des Helmholtz-Zentrums in Wannsee, der überflogen werden sollte, irritierte die Richter und ließ sie Anfang des Jahres die Wannseeroute zunächst einmal außer Kraft setzen.

Diesmal ging es um die Doppelgemeinde mit fast 30.000 Einwohnern, die so dicht an Schönefeld liegt, dass der Lärm nicht ignoriert werden kann. Bei Westwind – statistisch an zwei von drei Tagen – überqueren die startenden Flugzeuge den Ort schon nach drei bis vier Kilometern. Bei Ostwind, wenn die Flugzeuge auch Richtung Osten starten müssen, dröhnen die landenden Flugzeuge besonders dicht über die Häuser hinweg. „Gegen diese unzumutbare Doppelbelastung an 365 Tagen im Jahr wollten wir uns wehren“, sagte Fröhlich. Der Vorsitzende Richter Roger Fieting hatte während der Verhandlung keinen Zweifel an den Fluglärmfolgen gelassen: „Es ist unstreitig, dass wir hier oberhalb der Zumutbarkeitsschwelle liegen.“

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) verteidigte seine Entscheidung, die Abflugstrecke direkt über Blankenfelde-Mahlow zu führen, vehement. „Es gibt keine rechtliche Vorgabe, wie mit Doppelbelastungen umzugehen ist“, sagte BAF-Anwalt Tobias Marsing. Dem mochte Franz Günter Siebeck, einer der Kläger-Anwälte, auch nicht widersprechen: „Wir betreten Neuland.“

Doch der Antrag der Gemeinde, Blankenfelde-Mahlow nördlich zu umkurven, wenn Flugzeuge von der Nordbahn Richtung Westen starten, stieß bei den Richtern nur teilweise auf Zustimmung. Die Forderung nach einem anderen Betriebsregime auf dem BER fiel ganz durch. Dabei könnte außerhalb der Spitzenzeiten etwa auf der Nordbahn nur gelandet und auf der Südbahn nur gestartet werden – was Teilen der Region den Fluglärm ersparen würde. Dies sei eine „unzulässige Klageerweiterung“, entschied das Gericht.

Schon zeitig hatte das BAF seine Absicht durchblicken lassen, die umstrittene Flugroute für die Nachtflüge – also für die Zeit zwischen 22 und 24 Uhr sowie von 5 bis 6 Uhr – neu zu überdenken. „Wir schauen uns das noch einmal an“, sagte BAF-Referatsleiter Wolfgang Ruths am Rande der Verhandlung. Wurden bislang Daten für das Jahr 2012 zugrunde gelegt, so sollen jetzt die prognostizierten Zahlen für 2023 in die Berechnungen einfließen. „Bis Sommer nächsten Jahres wird es eine Entscheidung geben“, sagte Ruths und kam damit dem sich abzeichnenden Urteil zuvor. Warum diese neuen Daten nicht auch für Flüge am Tage – da gelten andere Lärmgrenzwerte – herangezogen werden, blieb offen.

Neue Konflikte zeichnen sich ab

Doch auch die geänderte Nachtflugroute wird einen neuen Konflikt auslösen. Denn betroffen davon könnten der südliche Teil von Berlin-Lichtenrade, aber auch Teltow, Kleinmachnow und Großbeeren sein. Bernd Röstel, Sprecher der BI Lichtenrade, äußerte sich schon besorgt: „Es wird wieder eine starke Empörung geben.“ Auch Alexander Fröhlich, der Referent aus Blankenfelde-Mahlow, geht davon aus, dass die Auseinandersetzung weitergeht. „Vielleicht gehen wir in die Revision“, sagte er. Darüber werde die Gemeindevertretung entscheiden. Schon jetzt, sagt er, habe die Gemeinde grob gerechnet 100.000 Euro für die Klage ausgegeben.