Berlin - Normalerweise gilt ja die Regel: Feind, Erzfeind, Parteifreund. Bei der SPD ist das, wie man hört, nicht anders. Doch jetzt hat ein prominenter Sozialdemokrat andere prominente Sozialdemokraten in Schutz genommen – noch dazu, als es um das Dauer-Streitthema BER ging. In einem Schreiben an einen Friedrichshagener Flughafenstandortgegner, das nun bekannt geworden ist, verwahrte sich SPD-Chef Sigmar Gabriel gegen Kritik am Regierenden Bürgermeister und am Brandenburger Ministerpräsidenten.

Und er wurde dabei sehr deutlich: „Ihre Unterstellung, Klaus Wowereit und Matthias Platzeck führten die Bürgerinnen und Bürger seit Jahren hinters Licht, verschwenden Milliarden und würden undemokratische Verhaltensweisen an den Tag legen, weise ich aufs Schärfste zurück“, so der Parteivorsitzende.

„Natürlich finde auch ich die erneute Verschiebung der Eröffnung des Flughafens ausgesprochen ärgerlich“, so Gabriel. Doch nicht nur Berlin und Brandenburg seien Gesellschafter, auch der Bund gehöre dazu. Für die Projektdurchführung sei die Geschäftsführung verantwortlich, auf deren Informationen der Aufsichtsrat angewiesen sei.

Ein Sprecher der BER-kritischen Friedrichshagener Bürgerinitiative hatte sich an den obersten Sozialdemokraten gewandt, nachdem Gabriel wegen des Debakels um die Militärdrohnen den Rücktritt des Verteidigungsministers verlangt hatte. Er sehe die Forderung mit gemischten Gefühlen, schrieb der Bürger.

Tegel bleibt nicht für immer offen

„Denn Sie haben in Ihrer eigenen Partei namhafte Mitglieder, die für Steuerverschwendung und undemokratische Verhaltensweisen weitaus größeren Ausmaßes verantwortlich sei“ – Wowereit und Platzeck, deren Projekt BER noch viele Milliarden Euro verschlingen wird.

Am Freitag meldete sich auch Flughafenchef Hartmut Mehdorn zu Wort. „Die Zeit“ hatte berichtet, dass der Flughafen Tegel solle zum „Premiumstandort“ weiterentwickelt und unbefristet betrieben werden. Dies gehe angeblich aus einem Strategiepapier des Managements hervor. „Diese Behauptung ist falsch“, konterte Mehdorn. Ein solches Papier sei ihm nicht bekannt, ein Weiterbetrieb als Premiumstandort nicht geplant. „Es bleibt dabei, dass ich im September dem Aufsichtsrat einen Fahrplan zur Eröffnung des BER vorlegen werde.“