Flugrouten-Streit: "Wollen Sie umziehen?"

Berlin - Nach der Veröffentlichung der Flugrouten am Flughafen BER in Schönefeld wollen Fluglärmgegner den Druck auf die Politik erhöhen. So kündigte der Bürgerverein Brandenburg Berlin (BVBB) an, sich mit einer großangelegten Fragebogenaktion für ein „Absiedlungsprogramm“ betroffener Menschen einzusetzen. „Fluglärm macht krank, das wissen die Leute“, sagte der Ehrenvorsitzende des Vereins Ferdi Breidbach am Montag. „Wir fragen deshalb, unter welchen Bedingungen sie zum Umzug bereit wären.“

Nach seinen Angaben sollen die Fragebögen zunächst in Blankenfelde-Mahlow verteilt werden. Nach der Flughafeneröffnung am 3. Juni sollen alle anderen Haushalte zwischen Großbeeren und Müggelheim, die Anspruch auf Lärmschutz haben, befragt werden. Breidbach verwies auf das sogenannte Casa-Programm am Flughafen Frankfurt/Main. Dort hatte der Betreiber, die Fraport AG, 2005 allen Hauseigentümern in unmittelbarer Flughafennähe freiwillig angeboten, die Häuser aufzukaufen. Bedingung dafür war unter anderen eine Überflughöhe von bis zu 350 Metern.

Die Flughafengesellschaft in Berlin wies das BVBB-Ansinnen zurück. „Der BVBB weckt falsche Hoffnungen“, sagte Sprecher Ralf Kunkel. „Wir haben eines der weitreichendsten Lärmschutzprogramme an deutschen Flughäfen.“

Offiziell sind am Flughafen BER rund 25.500 Haushalte einem Lärmpegel von mindestens 55 Dezibel ausgesetzt, der Voraussetzung für passiven Lärmschutz ist. Dafür stehen 140 Millionen Euro bereit. Bisher haben allerdings noch nicht einmal 1.000 Anspruchsberechtigte tatsächlich Lärmschutz erhalten.