Kurs auf Berlin: Kurz bevor Corona den Flugverkehr größtenteils lahmlegte, steuert eine Easyjet-Maschine Schönefeld an.
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BerlinBurkhard Kieker verglich Berlin mit einem Bären, der nach langem Schlaf aus der Höhle krabbelt und sich reckt. „Jetzt wird der Puls hochgefahren, und wir verbinden uns wieder mit der Welt“, sagte der Chef von Visit Berlin am Mittwoch. Nachdem die Zahl der Verbindungen während der Corona-Pandemie fast auf null heruntergefahren wurde, nimmt sie nun deutlich zu. „Der Flugverkehr steigt sprunghaft an“, so Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. „Berliner können wieder ans Mittelmeer und in europäische Städte fliegen. Touristen können Berlin und Brandenburg besser erreichen.“

Bevor der Flugverkehr dank Corona den größten Abschwung in seiner Geschichte erlebte, wurden die Berliner Flughäfen täglich insgesamt von 80.000 bis 90.000 Passagieren frequentiert. Im Sommer stieg die Durchschnittszahl sogar auf 110.000 bis 120.000, berichtete Lütke Daldrup. Dagegen verloren sich im April pro Tag gerade mal tausend Fluggäste in Tegel und Schönefeld, im Mai waren es rund 2000. „Ab heute rechnen wir mit 20.000 Passagieren täglich, für Ende Juli mit 30.000.“

Der aktuelle Stand ist, dass 36 Luftfahrtgesellschaften von Berlin aus mehr als hundert Ziele in 40 Ländern ansteuern. Ryanair hat das Angebot bereits aufgestockt, Easyjet und Condor sind zurückgekehrt. Es gibt auch wieder einen Interkontinentalflug: nach Doha in Katar. Egal, wohin es geht: Fluggäste sollten zwei Stunden vor dem Start am Flughafen sein, nur ein Handgepäckstück mitnehmen, auf Abstandsregeln achten und im Terminal Mund und Nase bedecken.

„Das Hochfahren des Flugverkehrs ist ein wichtiger Impuls für den Berlin-Tourismus“, sagte Burkhard Kieker. „Berlin findet zurück in die Rolle als größter Gastgeber Deutschlands und empfängt wieder mehr internationale Gäste.“ Der Ausbau der Verbindungen ist auch für Brandenburg wichtig, so Mathias Knospe von der Tourismus-Marketing Brandenburg:  „Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zurück zur Normalität.“

Grafik: BLZ/Galanty;; Quelle: FBB

Gewerkschaft: Easyjet will Flotte in Berlin halbieren

Doch die Normalisierung dauert. In der Branche werde aber erst für 2022 oder 2023 damit gerechnet, dass die Verkehrszahlen in die Nähe der früheren Werte kommen, sagte Lütke Daldrup. In Berlin, wo es 2019 rund 35 Millionen Fluggäste gab, könnte es drei bis vier Jahre dauern.

Wie ungewiss die Entwicklung ist, bekommen Airline-Kunden zu spüren, deren Flug abgesagt oder verschoben wird – weil zu wenig Tickets verkauft wurden oder Corona neue Einschränkungen erzwingt. Auch Airline-Beschäftigte müssen bangen. Am Mittwoch berichtete Holger Rößler von der Gewerkschaft Verdi, dass Easyjet die Berliner Flotte zum Jahresende von 34 auf 18 Flugzeuge schrumpft. Offenbar sei auch geplant, die Zahl der Mitarbeiter von 1540 auf 738 ebenfalls fast zu halbieren. „Ein schwarzer Tag für den Berliner Luftverkehr“, sagte Rößler. Und eine unverständliche Entscheidung: Die Eröffnung des BER am 31. Oktober eröffne auch Easyjet neue Chancen.

„Ende 2021 will die Airline entscheiden, wie es weitergeht“, berichtete Lütke Daldrup. Berlin bleibe die größte Easyjet-Basis außerhalb Großbritanniens.