Flugzeugabsturz: Mordanschlag: Flugschüler ist schuldfähig

Frankfurt (Oder) - Eigentlich sollte am Freitag schon das Urteil gesprochen werden. Doch der Prozess wegen versuchten Mordes an einem Fluglehrer wird weitergehen. Am Freitag stellte die Verteidigung des angeklagten Kleomenis S. neue Beweisanträge. Sie will weitere Zeugen hören. Zudem sollen am nächsten Donnerstag noch einmal der geschädigte Fluglehrer und seine Frau als Zeugen befragt werden, teilte Gerichtssprecher Marco Krieglstein mit.

Der 52-jährige Kleomenis S. sitzt auf der Anklagebank, weil er im Juni 2013 während eines Übungsfluges seinen 73-jährigen Fluglehrer in einer Cessna mit einem Stein niedergeschlagen und dann versucht haben soll, ihm die Augen auszudrücken. Die Maschine war in Strausberg (Märkisch-Oderland) gestartet und befand sich in 1500 Metern Höhe. Laut Anklage wollte sich der Grieche mit einem Absturz das Leben nehmen und den Fluglehrer mit in den Tod reißen. Der Betreiber einer Flugschule konnte die Maschine trotz schwerer Verletzungen in einem Weizenfeld im Oderbruch notlanden. Als Indiz für den geplanten Selbstmord gilt auch ein Testament, das Kleomenis S. kurz vor dem Flug aufgesetzt haben soll. Die Verteidigung erklärte hingegen, ihr Mandant habe schon früher Testamente aufgesetzt.

Gutachter attestiert Angeklagten viel Fantasie

Kleomenis S., der angibt, Schuhdesigner und Generaldirektor einer Werbefirma zu sein, bestreitet die Tat. Er hatte vor Gericht erzählt, dass er in der viersitzigen Maschine von dem Fluglehrer sexuell bedrängt worden sei und sich der Übergriffe erwehren wollte. Selbst nach dem Crash, als die Cessna kopfüber am Boden lag, soll der Fluglehrer nicht lockergelassen haben. Und als Kleomenis S. nach eigenen Angaben drohte, die Homosexualität des 73-jährigen Mannes öffentlich zu machen, soll sein Widersacher schließlich ein Messer ergriffen und ihm damit mehrere Schnitte am Hals und an den Handgelenken zugefügt haben. Erst da habe er den Fluglehrer mit einem Kristall niedergeschlagen und sei weggerannt.

Der psychiatrische Gutachter Matthias Lammel hält den Angeklagten für schuldfähig. Und er spricht von viel Fantasie in den Ausführungen von Kleomenis S. Auch die rechtsmedizinische Expertise weckt Zweifel an der Aussage des Flugschülers. Gutachterin Barbara Mattig sagte, die Schnittverletzungen an Hals und Handgelenken des Mannes seien typisch für eine Selbstverletzung und ließen auf eine Selbstmordabsicht schließen.

Kleomenis S. hatte nach dem Crash seinen Rettern von den sexuellen Übergriffen erzählt. Seltsam ist jedoch, dass man im Krankenhaus in seiner Socke das Messer fand, mit dem er attackiert worden sein will.

Und der Fluglehrer: Er erzählte, dass er 30 Jahre bei den Luftstreitkräften gewesen sei. Er bestreitet sein spätes Coming-out, spricht von einer unglaublichen Verleumdung.