Schönefeld - Es war das zweitschwerste Flugzeugunglück in der Geschichte der DDR: 72 der 82 Passagiere starben am 12. Dezember 1986, als eine aus Minsk kommenden Tupolew Tu-134 beim Anflug auf den Flughafen Schönefeld in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern in Berlin-Bohnsdorf abstürzte. Am Montag um 15 Uhr will unter anderem Svend Simdorn, Bezirksstadtrat von Treptow-Köpenick, an der Gedenktafel für die Opfer des Absturzes in Bohnsdorf einen Kranz niederlegen. Die Gedenktafel wurde 2010 auf Anregung der Bezirksverordnetenversammlung errichtet.

Bereits am Sonntag fand eine Kranzniederlegung in Schwerin statt, der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern. Denn unter den Opfer waren damals auch 20 Schüler einer 10. Klasse aus Schwerin, die auf einer Klassenfahrt in Minsk waren. Auch ihre Lehrerin und die beiden Betreuer starben bei dem Absturz. Nur zehn der 82 Passagiere überlebten das Unglück damals, darunter waren auch sieben Schüler.

Keine Erlaubnis für Zugfahrt

Zu DDR-Zeiten wurde die Ursache für das Unglück nicht öffentlich. Später hieß es, Verständigungsschwierigkeiten zwischen dem Piloten und der Anflugkontrolle seien für das Unglück verantwortlich gewesen. Eigentlich hätte der Flug Aeroflot 892 bereits um 12.36 Uhr in Schönefeld enden sollen, doch Berlin lag in dichtem Nebel, deshalb drehte das Flugzeug kurz vor 13 Uhr ab und flog nach Prag. So wie zwei weitere Maschinen. Die Schüler versuchten noch, ihre Lehrerin zu überreden, mit dem Zug von Prag nach Berlin zu fahren. Die Lehrerin wollte sich dafür telefonisch die Erlaubnis holen, bekam sie aber nicht.

Also stiegen die Schüler wieder in die Maschine, die um 15.30 Uhr startete. Vor dem Landeanflug wurde dem Piloten die linke Landebahn zugeteilt, er aber steuerte die rechte Bahn an. Doch die war wegen Wartungsarbeiten nicht in Betrieb. Dann versuchte der sehr erfahrene Pilot bei sehr geringer Flughöhe, doch noch die andere Bahn anzusteuern. Das Flugzeug flog parallel zur Straße nach Schönefeld und streifte dabei die Baumwipfel eines Waldes in Bohnsdorf. Um 17.03 Uhr stürzte das Flugzeug mit 82 Passagieren ab und brannte eine breite Schneise in den Wald.