In der Spree schwimmen und dabei am Lustgarten oder am Schloss vorbeikraulen – das muss keine Utopie bleiben. Eine jetzt fertiggestellte Studie weist nach, dass die Idee von einem Flussbad im Spreekanal zwischen der Schleusenbrücke und dem Bodemuseum in Mitte realistisch ist und technisch umgesetzt werden kann. „Das ist großartig, wir sind erleichtert. Das ist ein riesiger Schritt, das Bad zu verwirklichen“, sagt Barbara Schindler vom Verein Flussbad Berlin.

Offene Biotoplandschaft geplant

Die künftige Badeanstalt soll 840 Meter lang sein. Im Bereich des Lustgartens und am Schlossplatz sind als Zugang zur Spree Treppenanlagen vorgesehen. Damit die Gäste beim Baden aber nicht krank werden, muss das Spreewasser zuvor gefiltert werden. Daher soll am Auswärtigen Amt zwischen Gertrauden- und Schleusenbrücke ein Filterbecken angelegt werden. Eine meterdicke Kiesschicht sowie Schilf sollen dort das Flusswasser natürlich reinigen. Der obere Bereich des 1,6 Kilometer langen Kanals wird am Südende der Fischerinsel als offene Biotoplandschaft gestaltet. Vorgesehen ist anders als bisher, die Kanalmauer nicht komplett sondern nur noch an wenigen Abschnitten abzutragen.

Probefilter im Frühjahr

Die Studie mehrerer Ingenieurgesellschaften bestätigt jetzt, dass durch den geplanten Pflanzenfilter die geforderte Badewasserqualität erreicht wird. Schon im kommenden Frühjahr soll eine Testfilteranlage installiert werden. Sie soll nahe der Friedrichsgracht neben dem Wehr eingebaut werden, dort gibt es eine ungenutzte Schleuse für Sportboote. Wie Barbara Schindler sagt, wolle man erproben, wie der Filter funktioniert. Denn weltweit gibt es kein vergleichbares Projekt, das als Vorbild dienen könnte. „Die Filterung eines Flusses ist Neuland.“

110.000 Euro hat das Gutachten gekostet, das mit Hilfe von Lotto-Mitteln finanziert wurde. Nachgewiesen wurde darin, dass bei Hochwasser in der Spree ausreichend Wasser über den Kanal abfließen kann. Auch ist es möglich, das Einleiten von Schmutzwasser aus der Kanalisation in den Schwimmbereich „vollständig zu unterbinden“.

Der Senat steht dem Projekt „grundsätzlich positiv gegenüber“, sagt Martin Pallgen, Sprecher der Stadtentwicklungsbehörde. „Ein Flussbad würde gut zu Berlin passen.“ Schon vor einem Jahr hat der Bund aus seinem Förderprogramm Nationale Projekte des Städtebaus 2,6 Millionen Euro bis zum Jahr 2018 bereitgestellt, das Land Berlin gibt weitere 1,4 Millionen Euro. Das Geld ist zum Beispiel für den Testfilter sowie für weitere Untersuchungen und Planungen vorgesehen.

Eröffnung spätestens 2025

Doch viele Fragen sind noch nicht beantwortet. Denkmalschützer sowie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz sehen den Welterbestatus der Museumsinsel gefährdet, sollten die von Baumeister Karl Friedrich Schinkel errichteten Ufermauern für das Flussbad eingerissen werden. Auch die Verträglichkeit mit anderen Bauvorhaben und ein barrierefreier Zugang müssten laut Senat noch diskutiert werden.

Einige Zugeständnisse hat der Flussbad-Verein den Denkmalpflegern schon gemacht. Die wünschen sich etwa, dass sich die Jungfernbrücke auch künftig im Wasser spiegelt. „Das berücksichtigen wir“, so Barbara Schindler. Wann das Flussbad in Betrieb geht, vermag sie nicht zu sagen. Wunschtermin ist spätestens 2025 – dann ist es 100 Jahre her, dass der damalige Magistrat das Baden in der Spree verboten hatte.