Folge des Lehrermangels in Berlin: Jetzt sollen auch Studenten unterrichten

Der Lehrermangel in Berlin scheint in diesem Sommer eine neue Stufe zu erreichen. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ist nämlich nicht mal mehr sicher, ob es überhaupt genug Bewerber gibt. „Es wird schwierig, alle offenen Stellen zu besetzen“, sagte Scheeres. Das heißt: Die Bildungsverwaltung findet inzwischen noch nicht einmal genug Quereinsteiger.

Insgesamt müssen 2100 Stellen besetzt werden, doch für 1000 offene Stellen konnten bisher nur 700 Quereinsteiger gefunden werden. Nun sollen auch Lehramtsstudenten in den Schulen zum Einsatz kommen – quasi als Studentenjob. Das Angebot richtet sich an Master-Studenten.

„Giftliste“ für angeordnete Lehrer

Um Pensionäre wird bereits geworben. Wer drei Jahre länger aushält, kann gerade als Grundschullehrer in eine höhere Gehaltsgruppe kommen und somit auch seine Pension deutlich erhöhen. Zudem prüft die Bildungsverwaltung, ob an Verwaltung oder an Universitäten abgeordnete Lehrer wieder zurück ins Klassenzimmer geholt werden können.

„Es gibt überhaupt keine klare Regelung für diese Abordnungen“, hieß es in der Bildungsverwaltung. Dort ist jetzt ein „Giftliste“ erstellt worden mit Namen von abgeordneten Lehrern. Allerdings: Nicht wenige von diesen hatten ja ganz bewusst den Schuldienst verlassen, wollten statt mit Kindern zu arbeiten lieber an zentraler Stelle wirken. In der Verwaltung spekuliert man darauf, dass womöglich 80 dieser abgeordneten Lehrer wieder an die Schulen zurückkehren.

Absenkung der Unterrichtsverpflichtung wackelt

Zudem wird Teilzeit-Lehrern unbürokratisch angeboten, ihre Stundenzahl zu erhöhen. Es gibt sogar die Überlegung, ob Lehrer freiwillig ihre Pflichtstundenzahl anheben sollen. Bis zu 350 Euro brutto würde zusätzlich drin sein. Das wird jetzt geprüft.

Wegen des akuten Personalmangels wackelt die geplante Absenkung der Unterrichtsverpflichtung für Quereinsteiger. Sie sollten künftig nur noch maximal 17 statt 19 Stunden unterrichten. Dafür müsste Berlin nämlich noch mehr Lehrer einstellen, die es derzeit nirgendwo zu geben scheint. Allgemein rechnet man damit, dass ab 2023 wieder genügend ausgebildete Lehrer zur Verfügung stehen.