Forderung nach mehr Pflegepersonal: „Gravierender Warnstreik“ an der Charité - 400 Operationen fallen aus

Nach der Warnstreik-Ankündigung der Gewerkschaft Verdi hat die Berliner Charité rund 400 geplante Operationen in der kommenden Woche abgesagt. Patienten würden während des Ausstands am Montag und Dienstag vor Ort über Einschränkungen informiert, sagte der Ärztliche Direktor des Uniklinikums, Ulrich Frei, am Donnerstag. Der Ausstand beunruhige. Die Klinik stehe nun auch wegen der Verantwortung für die Patienten unter Druck.

Verdi hat Klinikmitarbeiter an allen Standorten für die beiden Tage zum Arbeitskampf aufgerufen. Zehn Stationen sollen geschlossen bleiben. Man werde sich aber an Notdienstvereinbarungen halten und auch Intensivstationen nicht bestreiken, hatte Gewerkschaftssekretär Kalle Kunkel der Deutschen Presse-Agentur gesagt. Frei erwartet dennoch einen „gravierenden Warnstreik“.

Mehr Pflegepersonal ist die Kernforderung von Verdi: Quoten, etwa je nach Art der Station, sollen regeln, um wie viele Patienten sich ein Pfleger kümmern muss. Davon erhoffe man sich eine bessere Versorgung und geringere Belastung für die Pflegekräfte. Mindestbesetzungen will Verdi auch tariflich verankern.

Bisher beschäftigt die Charité rund 4000 Pfleger

Ulrich Frei bezeichnete die Forderungen als „massiv“. Verdi habe sich die Charité als Einzelhaus herausgepickt, dabei sei eine bundesgesetzliche Vorgehensweise nötig. 600 Pfleger müsse das Klinikum einstellen, um die Forderungen zu erfüllen. Das bedeute nicht zu stemmende Kosten von mindestens 30 Millionen Euro pro Jahr.

Bisher beschäftigt die Charité rund 4000 Pfleger. Für sie habe die Belastung auch wegen gestiegener Fallzahlen zugenommen, das erkenne man an, sagte Frei. In der Qualität der Versorgung sehe er aber keine Gefahren. Weder gebe es auffällige Erkrankungszahlen bei den Pflegern noch einen „Personal-Exodus“.

Gewerkschaft und Klinik verhandeln seit mehreren Jahren. Zuletzt habe die Charité angeboten, Mindestbesetzungen zunächst nur auf Intensivstationen einzuführen. Dafür hätten nur 50 bis 60 Zusatzkräfte eingestellt werden müssen. Man habe gehofft, damit für bundesweite Lösungen den Anstoß zu geben, doch Verdi habe abgelehnt, sagte Klinikumsdirektor Matthias Scheller.

Bisherige Vorschläge seien „nicht weitgehend genug“ und dienten dazu, die Verhandlungen zu verzögern, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Meike Jäger laut einer Mitteilung von Mittwoch.

Für normale Stationen sind die geforderten Quoten nach Charité-Einschätzung jedenfalls nicht machbar: „Das wäre ein fünfter Schritt vor dem ersten“, sagte Scheller. Für weitere Verhandlungen mit Verdi sei man offen. Zu einer Urabstimmung unter den bei Verdi organisierten Beschäftigten komme es hoffentlich nicht. (dpa)