Berlin - Heidi Hetzer fährt ein Elektroauto, und zwar ein ziemlich spurtstarkes. „Mit meinem Ampera hänge ich an der Ampel alle ab“, sagte die 75-Jährige, der einst das größte Opel-Haus in Berlin gehörte und die immer noch Rallyes fährt. „Ich habe die ganze Geschichte des Autos erlebt und alles schon mal ausprobiert, vom Oldtimer bis zum Elektrofahrzeug.“

Ein elektrischer Rennwagen hat ihr allerdings noch gefehlt. Deshalb schwang sich Hetzer nur zu gern in den grauen E-Boliden, der am Donnerstag vor dem Brandenburger Tor der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Es war eines der Rennautos, die an einer besonderen Premiere teilnehmen: 2015 wird Tempelhof einer von weltweit zehn Austragungsorten der FIA Formula E Championship – des ersten großen Rennens, an dem nur Elektrofahrzeuge teilnehmen.

„Viele denken, dass Elektroautos langweilig sind, langsam und hässlich. Doch sie sind die Zukunft“, sagte Alejandro Agag, der Vorsitzende der Formula E Holding. „Die Formel E soll zeigen, dass Elektromobilität nicht nur vernünftig ist, sondern auch Spaß machen kann“, pflichtete Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) bei. Alle Beteiligten machten klar, dass in Tempelhof nicht etwa kleine Stadtautos gemächlich ein paar Runden drehen werden, bevor es Öko-Sekt für die Sieger gibt. Es geht um ein Rennen mit Autos, deren Motoren von McLaren kommen und mehr als 220 Kilometer pro Stunde schaffen. Echte Rennfahrer nehmen darin Platz, „Top Driver“, die sich bei der Formel 1, bei Nascar- und Indycar-Rennen die Sporen verdient haben.

Zunächst aber: „Wir legen Wert auf die Feststellung, dass die Formel E auf dem betonierten Vorfeld des ehemaligen Flughafens stattfinden wird“, sagte Martin Pallgen von der Tempelhof Projekt GmbH. Also nicht im Park, wo man sich auch während der Formel E erholen kann, denn die E-Renner sind so laut wie gewöhnliche Pkw. Weil Rennautos mit Verbrennungsmotoren erheblich mehr stören, ließ die Projekt GmbH in Tempelhof weder Tourenwagen-Meisterschaften noch Stockcar-Wettbewerbe zu.

Mit 23 Hektar ist das Vorfeld ohnehin groß genug. „Die Rundstrecke wird 2,5 bis 3 Kilometer lang sein, auf den Tribünen werden 25 000 bis 30 000 Zuschauer Platz haben“, sagte Organisator Agag.

Im Mai oder Juni 2015 sollen in Tempelhof zehn Teams mit je zwei Fahrern und 20 Wagen gegeneinander antreten. Ein Team kommt aus Großbritannien, das andere aus China. Indien und Japan gehen ebenfalls an den Start. Jedes Rennen wird 50 Minuten dauern, jedes Mal gibt es zwei Boxenstopps, an denen Fahrer ihre Autos wechseln.

Keine Lust auf die Avus

Zuschüsse vom Staat gibt es laut Agag nicht, er finanziert das Unternehmen mit dem Verkauf von Eintrittskarten und Medienrechten.

„Jetzt wird Berlin wieder Rennsportstadt“, so Yzer. Agag hat allerdings nicht mal in Erwägung gezogen, die Formel E auf der Avus stattfinden zu lassen, wo Berlins Rennsporttradition 1921 begann und 1998 endete. „Wir haben uns gleich in Tempelhof verliebt“, sagte er.

Nein, mitfahren würde sie nicht, sagte Heidi Hetzer. „Ich fahre Rallyes, keine Rennen. Rundstrecken finde ich langweilig.“ Doch wenn die E-Boliden ihre Kreise drehen, wird sie dies verfolgen. „Zwar bin ich dann in den USA, aber es gibt ja das Internet.“ Die Formel E sei „spannend“. Inzwischen sei sie von ihrem Sohn geprägt, erzählte Hetzer. Der wollte das Autohaus nicht übernehmen. Nun arbeitet er in der Branche erneuerbarer Energien.