Trotz aller Zahlen und Fakten über tatsächliche Gewalttaten haben die Berliner offenbar nicht das Gefühl, in einer gefährlichen Stadt zu leben. Die überwiegende Mehrheit ist der Ansicht, dass die Menschen sich in Berlin sicher (49 Prozent) oder sogar sehr sicher (10 Prozent) fühlen können. Eine – wenn auch recht große – Minderheit von 40 Prozent sagt hingegen, die Hauptstädter könnten sich weniger sicher beziehungsweise überhaupt nicht sicher fühlen. Das ergab eine Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Berliner Zeitung.

Das Sicherheitsgefühl ist damit geringer als in Deutschland insgesamt. Bundesweit meinen 87 Prozent, man könne sich sehr sicher oder sicher fühlen. Nur 14 Prozent glauben das nicht. Dabei sollte bedacht werden, dass in einer bundesweiten Umfrage auch Bewohner ländlicher Gebiete beteiligt sind. Dort ist das Sicherheitsgefühl in der Regel größer als in Städten, zumal in einer Metropole wie Berlin.

Die allgemein übliche Einschätzung, vor allem ältere Menschen hätten Angst, bestätigt die Umfrage nicht. In allen Altersgruppen zeigen die Werte nur geringe Abweichungen. Von den über 60-Jährigen sagen 45 Prozent, in Berlin könne man sich weniger oder überhaupt nicht sicher fühlen. Bei den 45- bis 59-Jährigen sind es 43 Prozent, bei den 18- bis 29-Jährigen 40 Prozent. Die Altersgruppe, die Berlin am wenigsten für gefährlich hält, sind die 30- bis 44-Jährigen. Nur 33 Prozent meinen, die Stadt sei unsicher. Und überdurchschnittliche 18 Prozent sagen: sehr sicher.

Danach gefragt, durch welche Form der Kriminalität man sich persönlich besonders bedroht fühle, gibt über die Hälfte (54 Prozent) der Berliner Einbrüche und Diebstähle an. Es folgen organisierte Banden (42 Prozent), Überfälle (38), Gewalt von Rechtsextremen und Betrügereien (jeweils 36), gewalttätige Krawalle (32) und frauenfeindliche Übergriffe (30). Gewalt an Schulen, Drogenhandel, rassistische Übergriffe und Gewalt von Ausländern liegen zwischen 25 und 29 Prozent, 6 Prozent der Befragten fühlten sich durch Gewalttätigkeiten in der Familie bedroht.

Die Ergebnisse zur gefühlten Sicherheit sind bemerkenswert, weil die Meinungen über die tatsächliche Entwicklung ein anderes Bild ergeben. 59 Prozent der Berliner haben den Eindruck, dass die Kriminalität in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Ein Drittel beurteilt die Lage als unverändert, und nur eine kleine Minderheit von drei Prozent sagt, das Ausmaß der Kriminalität habe abgenommen.

Vor allem CDU-Anhänger sehen die Entwicklung negativ. 63 Prozent der Befragten meinen, die Kriminalität habe zugenommen. Bei der SPD sagen das 54, bei den Grünen 40 und bei den Linken 39 Prozent. Für den Innensenator und CDU-Vorsitzenden Frank Henkel ist das keine gute Nachricht, hatte er doch seiner Anhängerschaft vor der Wahl 2011 versprochen, das Gewaltproblem in den Griff bekommen zu wollen.

Auch ein weiteres Ergebnis müsste Frank Henkel, den designierten CDU-Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl im September, besorgt stimmen: Zwei Drittel (66 Prozent) der befragten Berliner hält die Polizei in der Kriminalitätsbekämpfung für überfordert. Und das, obwohl der Innensenator es stets als einen Erfolg darstellt, dass er in dieser Wahlperiode mehr Stellen für Polizei und Feuerwehr durchgesetzt habe. Von den über 60-Jährigen halten sogar 79 Prozent die Polizei für überfordert.

Forsa fragte auch danach, von welchen Straftaten man schon selbst betroffen war. Mehrfachnennungen waren möglich. Jeweils 30 Prozent gaben an, Opfer von Taschendieben und Betrügern geworden zu sein. Es folgten Diebstähle aus dem Auto (20 Prozent), Gewalttätigkeiten wie Schlägereien sowie Wohnungseinbrüche (jeweils 17), Autodiebstähle (8 Prozent) und Raubüberfälle (7 Prozent). 29 Prozent gaben an: keine davon.

Die Umfrage fand vom 15. bis 25. Februar statt, telefonisch befragt wurden 1003 repräsentativ ausgewählte Berliner. Die Fehlertoleranz beträgt plus/minus drei Prozent.