Die Berliner CDU hat große Mühen, zur Öffnung der Ehe einen Standpunkt zu finden. Ein Votum des Landes Berlin im Bundesrat hat die Union kürzlich verhindert, in einem Mitgliederentscheid soll sich nun bis Mitte Juli die Parteibasis äußern. Die große Mehrheit der Berliner hat sich dagegen offensichtlich längst eine Meinung gebildet. Laut einer Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung durchgeführt hat, befürworten 73 Prozent der Berliner eine uneingeschränkte rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare.

Knappe Mehrheit in der CDU

Die Zustimmung für die Ehe für alle liegt im Ost-Teil der Stadt sogar bei 80 Prozent. Bei jüngeren Befragten ist sie deutlicher ausgeprägt als bei älteren, es gibt aber in allen Altersgruppen eine deutliche Mehrheit. Die Umfrage zeigt auch, dass die Berliner entgegen manchen Vorurteilen nicht der Meinung sind, die Politik kümmere sich zu sehr um die Belange von Minderheiten und vernachlässige darüber die Probleme und Bedürfnisse der Mehrheit der Menschen. Nur 40 Prozent der Befragten sind dieser Ansicht. Und lediglich 29 Prozent der Berliner finden, dass in den Medien zu viel über Homosexuelle berichtet werde.

Nur eine knappe Mehrheit von 55 Prozent wiederum ist der Meinung, dass sich das liberale Berlin auf Bundesebene besonders für die Gleichstellung homosexueller Paare einsetzen sollte. 43 Prozent meinen, Berlin habe keine größere Verantwortung als andere Bundesländer. Die Initiative im Bundesrat wurde von der niedersächsischen Landesregierung eingebracht und von den Ländern mit linken Regierungen unterstützt, die derzeit im Bundesrat die Mehrheit haben.

Die Umfrage deutet jedoch auch darauf hin, dass der Mitgliederentscheid der Berliner CDU knapp ausgehen könnte. Zwar wird ihr Generalsekretär Kai Wegner nicht müde zu betonen, die Union sei eine liberale Großstadtpartei. Doch ein beträchtlicher Anteil ihrer Anhänger möchte offenbar an der Diskriminierung Homosexueller festhalten. Nur 52 Prozent der Unterstützer sprechen sich in der Forsa-Studie für die Öffnung der Ehe aus. Damit sind die CDU-Anhänger immer noch liberaler als ihr Ruf: Insgesamt glauben nur 29 Prozent der Berliner, dass sich die CDU für eine Öffnung der Ehe ausspricht.

Beim Mitgliederentscheid, der in der nächsten Woche beginnen soll, braucht die CDU-Basis aber nicht mit „Ja“ oder „Nein“ zu antworten. Stattdessen gibt es sieben mögliche Antworten: Neben „Ich stimme teils teils zu“ können die Mitglieder ihr Kreuz auch bei „Ich finde das Thema nicht wichtig“ setzen.

Henkels Popularität sinkt

Parteichef Frank Henkel hat sein Taktieren bei dem Thema offensichtlich geschadet. Seine Popularität ist im Vergleich zur vorigen Abfrage im Mai deutlich gesunken, bei CDU-Anhängern sogar deutlicher als im Durchschnitt. Vom zweiten Platz im Beliebtheitsranking fiel er ins Mittelfeld zurück.

Für die Studie befragte Forsa zwischen dem 15. und dem 24. Juni 1001 Berliner. Die Interviews fanden telefonisch statt.