Berlin - Die Meinung der Bevölkerung ist eindeutig. Nur elf Prozent der Berlinerinnen und Berliner glauben, dass der Senat ein Konzept hat, wie möglichst vielen ein preiswertes Wohnen in der Stadt ermöglicht werden kann. 81 Prozent antworteten auf eine entsprechende Frage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung jedoch mit Nein – und das, obwohl der Senat mit den sechs landeseigenen Wohnungsgesellschaften ein Mietenbündnis geschlossen hat und die SPD seit Monaten betont, wie wichtig ihr das Thema sei.

Besonders groß ist die Skepsis bei den 30- bis 59-Jährigen. Unter den Anhängern der Piratenpartei ist der Anteil derjenigen, die glauben, dass der Senat ein Konzept für preiswertes Wohnen hat, mit 18 Prozent am höchsten. Sogar noch höher als bei den Anhängern der rot-schwarzen Koalition: Lediglich 15 Prozent der SPD- und 13 Prozent der CDU-Anhänger sagen, dass ihre Regierung ein solches Konzept hat.

Mehrheit will Förderung

Nur drei Prozent der Linken-Anhänger und fünf Prozent der Grünen-Anhänger schließen sich der Meinung an. Dass der Senat kein Konzept hat, sagen 94 Prozent der Grünen-Anhänger. Damit gehören sie zu den Kritischsten.

Angesichts dieser Werte verwundert es nicht, dass die übergroße Mehrheit der Befragten für eine staatliche Förderung des Wohnungsbaus plädiert, nämlich 81 Prozent. Nur 14 Prozent sagen, der Senat sollte den Wohnungsbau angesichts der Haushaltslage nicht mit Steuergeldern unterstützen. Forsa befragte vom 20. bis 28. Februar 1 002 repräsentativ ausgewählte Berliner. Mit 83 Prozent ist der Anteil derjenigen, die sich für eine Wohnungsbauförderung aussprechen, im Westteil höher als im Ostteil (78 Prozent). Bei den Personen, die 60 Jahre und älter sind, finden sich mit 88 Prozent besonders viele Anhänger einer Wohnungsbauförderung. Bei den 30- bis 44-Jährigen ist dieser Wunsch am geringsten (72 Prozent) ausgeprägt, aber immer noch stark.

Eine deutliche Mehrheit von 68 Prozent der Befragten ist der Meinung, dass steigende Mieten mittlerweile in ganz Berlin ein Problem sind. Nur 29 Prozent sagen „Nein“, dies betreffe nur bestimmte Gegenden der Stadt. In Ost und West gibt es hier kaum Unterschiede. Vor allem Menschen mittleren Alters sehen in den steigenden Mieten ein stadtweites Problem. Bei den Jüngeren im Alter von 18 bis 29 Jahren ist diese Ansicht am wenigsten verbreitet. Nach Parteipräferenzen unterschieden, sagen 79 Prozent der Linken-Anhänger, dass die steigenden Mieten in ganz Berlin ein Problem sind, während nur 55 Prozent der CDU-Anhänger es so sehen.

Das Thema Wohnungsnot rangiert wie in den vergangenen Monaten auf Platz drei der Rangliste der größten Probleme Berlins – hinter dem Ausbau des Flughafens Schönefeld und den Schwierigkeiten bei der S-Bahn und im Nahverkehr.