Berlin - Für die SPD sind es spannende, aber auch aufreibende Wochen. Die Bundes-SPD hat gerade den Weg für eine Doppelspitze als Option freigemacht und will ihre Mitglieder für die Wahl des Vorsitzes möglichst breit beteiligen. In Berlin wiederum schlägt der Mietendeckel, den die SPD initiiert und der Senat beschlossen hat, bundesweit hohe Wellen. Doch die Wähler sind weiterhin ungnädig mit den strauchelnden Sozialdemokraten. Egal, wie sich wenden und drehen, die Zahlen bleiben miserabel, die Grünen verteidigen erneut im Juni ihre Bastion.

Die Grünen bleiben weiterhin Sieger - Klimaschutz ist Berliner wichtig

Wäre am Sonntag Abgeordnetenhauswahl, verlöre die SPD einen Prozentpunkt zum Vormonat und käme auf 15 Prozent – ein vierter Platz für die einstigen Gewinner der letzten Wahl. Die Linke würde stabil bei 17 Prozent liegen und sich damit den zweiten Platz mit der CDU (+2) teilen. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Berliner Zeitung.

Die Grünen kämen danach auf 25 Prozent (einen Prozentpunkt weniger als im Mai) und bleiben damit weiterhin unangefochtener Sieger. Das passt zu dem Umfrageergebnis, dass 38 Prozent der Berliner den Klimaschutz als das dringendste Problem ansehen, um das sich die Politik kümmern sollte. Denn der Umweltschutz ist immer noch das ureigenste Thema der grünen Ökopartei.

Die FDP bleibt stabil bei 7 Prozent, die AfD verliert einen Prozentpunkt und liegt nun bei 10 Prozent.

Bündnis aus Grüne, SPD und Linke bleibt bei der Umfrage stabil

Im Bund sieht es ähnlich aus. Da mag der Grünen-Chef Robert Habeck beim IHK-Frühstück am Donnerstag noch so gern behaupten, dass er Momentaufnahmen in Form von Umfragen als „Unernstheit, die der politischen Lage nicht angemessen ist“, empfindet. Freuen dürfte es ihn trotzdem, dass die Grünen auch hier die Nummer eins sind. 24 Prozent (-1) der Berliner würden Grün wählen, wäre am kommenden Wochenende Bundestagswahl. 14 setzten ihr Kreuz bei der SPD, genau wie im Vormonat. Auch im Bund würden die Christdemokraten zwei Prozentpunkte hinzugewinnen und lägen dann bei 21 Prozent zwar hinter den Grünen, aber eben auch nur mit geringer Distanz. Linke (16) und FDP (7) sind stabil, die AfD kommt auf 11 Prozent und verliert einen Punkt.

Im Ergebnis bedeutet das weiterhin, dass das rot-rot-grüne Bündnis im Berlin mit 57 Prozent stabil ist, Jamaika, also ein Bündnis aus Grünen, FDP und CDU, käme auf 49 Prozent.

Schlusslicht bei der Umfrage bilden Regine Günther, Katrin Lompscher und Sandra Scheeres

Ob sich die Grünen jedoch auf so ein Experiment einließen, ist mehr als fraglich. Auf Bundesebene sieht FDP-Chef Christian Lindner ein Jamaika-Bündnis jedenfalls skeptisch. Aber Bund ist ja auch nicht Berlin.

Doch wie steht’s um die Beliebtheit der Politiker in der Stadt? Während Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) vor zwei Monaten einen kleinen Abstecher auf den ersten Platz machte, muss sie sich im Juni den zweiten Platz mit Finanzsenator Mathias Kollatz teilen. Auf dem Siegertreppchen steht Kultursenator Klaus Lederer (Linke) – wie schon in den vielen Monaten zuvor.

Schlusslicht bilden Verkehrssenatorin Regine Günther, die inzwischen bei den Grünen eingetreten ist, Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) und Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Die Befragten beurteilen die Politiker mit Schulnoten von -5 bis +5 .

Michael Müller bleibt laut Umfrage im Mittelfeld

Am meisten Verluste (-0,3) fuhr danach im Juni Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) ein, der den viertletzten Platz belegt. Ob es daran liegt, dass er zur letzten Plenarsitzung eine halbe Stunde zu spät kam und dafür heftig kritisiert wurde, kann man nur vermuten.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD konnte in diesem Monat zulegen (+0,2), doch er bleibt trotzdem auf der Beliebtheitsskala nur Mittelfeldspieler unter den Berliner Politikern.