Die Berliner würden einen Ausbau der Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen mit großer Mehrheit unterstützen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung durchgeführt hat.

80 Prozent wünschen sich demnach mehr Kameras an Bahnhöfen und im öffentlichen Raum. Es gibt in allen Altersgruppen eine klare Mehrheit und unter den Anhängern aller Parteien.

Das gilt auch für die rot-rot-grünen Koalitionspartner, die sich nach dem Anschlag am Breitscheidplatz nur für eine sehr begrenzte Ausweitung der Überwachung entschieden haben. Am skeptischsten sind die Anhänger der Linken, doch auch sie befürworten zu 57 Prozent, dass das Geschehen an öffentlichen Orten in stärkerem Maß gefilmt wird.

Polizei verunsichert Grüne

Die Umfrage hält jedoch auch eine Überraschung bereit: Sicherer fühlen sich die Berliner durch mehr Videoüberwachung nicht. Nur 42 Prozent geben an, dass Kameras ihr Sicherheitsgefühl verbessern.

Dieses Meinungsbild dürfte geprägt sein von den Gewalttaten in videoüberwachten U-Bahnhöfen in der letzten Zeit. Zuletzt sind am Freitagabend drei junge Männer am U-Bahnhof Gesundbrunnen von unbekannten Angreifern attackiert worden. Eines der Opfer stürzte nach einem brutalen Tritt die Rolltreppe herunter, auch danach traten und schlugen die Täter auf ihn ein, bevor sie dann flüchteten.

Offensichtlich wünschen sich die Befragten zumindest die Möglichkeit der Verfolgung von Straftätern. Um Übergriffe zu verhindern, vertrauen sie auf die Polizei. 64 Prozent geben an, dass sie sich an öffentlichen Orten mit starker Polizeipräsenz sicherer fühlen.

Grünen-Anhänger von Polizei verunsichert

Dieses Meinungsbild zieht sich ebenfalls durch alle Altersgruppen und die politischen Lager – mit einer deutlichen Ausnahme: Unterstützer der Grünen scheint Polizei auf den Straßen eher zu verunsichern. Nur 34 Prozent fühlen sich besser, wenn Beamte Präsenz zeigen. Sie könnten also enttäuscht sein vom Kurs ihrer Partei, die zusammen mit SPD und Linken rasch offene Stellen bei der Polizei besetzen und die Beamten möglichst viel auf Streife schicken wollen.

Forsa fragte die Teilnehmer der Umfrage auch nach ihrer Meinung zum Fall des Stasi-belasteten Staatssekretärs Andrej Holm (parteilos, für Linke), der vor zwei Wochen nach massiver Kritik von seinem Amt zurücktrat.

Viel Unterstützung scheint Holm nicht zu haben. 59 Prozent der Befragten halten demnach die Entscheidung des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) für richtig, Holms Entlassung anzuordnen. 19 Prozent sind unentschieden, nur 22 Prozent finden sie falsch. Auch unter Linke-Unterstützern befürworten 47 Prozent Müllers Entscheidung, nur 34 Prozent halten klar zu Holm.

Stabile Werte für Rot-Rot-Grün

Grundsätzlich scheint es in der Stadt den Wunsch nach einer differenzierten Bewertung früherer Stasi-Tätigkeit zu geben. 73 der Befragten meinen, jeder Fall müsse individuell gesehen werden. Zugleich ist eine knappe Mehrheit von 54 Prozent der Meinung, dass ehemalige Stasi-Mitarbeiter grundsätzlich keine öffentlichen Ämter ausüben sollten.

Auch unter Linke-Anhängern vertreten 47 Prozent diese Meinung, 42 Prozent sehen frühere Stasi-Hauptamtliche als geeignet für politische Aufgaben an. Holm hatte im Herbst 1989 als 18-Jähriger einige Monate lang Dienst als Offiziersschüler bei der Stasi geleistet.

Die Affäre belastete den Start der rot-rot-grünen Koalition schwer. Ihre Umfragewerte haben darunter aber kaum gelitten. Gegenüber der Umfrage im Dezember verliert auch die Linke nur leicht um einen Prozentpunkt auf 16 Prozent, was immer noch leicht über ihrem Wahlergebnis liegt. Die einzige Partei, die ein wenig zulegen kann, ist die FDP. Sie kommt laut Forsa auf eine Unterstützung von acht Prozent.