Dass es der Regierende Bürgermeister von Berlin nicht leicht hat, weiß ein gewisser Michael Müller selbst am besten. Der 53-jährige Sozialdemokrat, durchaus zu Unrecht verschrien als ewig unzufriedener Nieselpriem, zeigte sich erst jüngst nach absolviertem Sommerurlaub mit jugendhafter Frische und großem Tatendrang. In einer jetzt schon als legendär markierten Senatspressekonferenz vor zwei Wochen trieb er gut ein Dutzend Themen voran, er scherzte, forderte und plauderte, bis das Rote Rathaus barst, und manch ein Beobachter wissen wollte, an welchem Ferienort der Welt man sich derart erholen könne.

Nur ein paar Tage später schlug Müller in einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel einen Mietenstopp und andere semisozialistische Maßnahmen gegen Bodenspekulanten vor, als hätte ihm Andrej Holm dazu die Vorlage geschrieben.

Und nun, nach diesem historisch anmutenden Aktivitätsschub, kommt ausgerechnet das: Senats- und Parteichef Müller rutscht auf der vom Meinungsforschungsinstitut Forsa monatlich ermittelten Beliebtheitsskala der Senatsmitglieder kräftigst ab – sogar mehr als alle anderen, eingeschlossen jene, die seit Wochen schlicht gar nichts von sich hören lassen. Ob das eine mit dem anderen ursächlich zu tun hat oder die Müller-Offensive im Gegenteil nur noch nicht ganz durchgedrungen ist zu den Berlinern, muss natürlich offen bleiben.

Repräsentative Erhebung

Forsa befragte für die exklusive Erhebung im Auftrag der Berliner Zeitung zwischen dem 21. und dem 30. August 2018 wie stets gut eintausend (genau: 1004) repräsentativ ausgewählte, wahlberechtigte Berlinerinnen und Berliner am Telefon. Die statistische Fehlertoleranz beträgt, bei der Sonntagsfrage, bis zu drei Prozentpunkte plus oder minus.

Tatsächlich hat sich seit dem Vormonat, sicher bedingt durch die Sommerpause, beim Wählerwillen wenig getan. Für die SPD ist das bitter genug, schließlich verharrt sie mit ihren 17 Prozentpunkten auf dem schwächsten Umfragewert seit knapp anderthalb Jahrzehnten. Nur wenig besser steht die CDU da (19 Prozent). Angesichts des bereits jetzt, drei Jahre vor der nächsten regulären Wahl, vom neuen CDU-Fraktionsvorsitzenden Burkard Dregger bekannt gegebenen Wahlziels der Union von „30 Prozent plus X“ wirkt der Wert allerdings besonders mickrig.

Während auch die Linke als nach wie vor stärkste Partei stagniert, gewinnen die Grünen leicht hinzu (plus eins auf 18 Punkte), was die seit vielen Monaten unerschütterlich scheinende rot-rot-grüne Mehrheit weiterhin konsolidiert. FDP und AfD verlieren zugleich leicht – die Ereignisse von Chemnitz mit dem gemeinsamen Aufmarsch der „Alternative für Deutschland“ mit bekennenden Nazi-Anhängern können dabei, falls überhaupt, allerdings noch kaum eine Rolle spielen.

Die wichtigsten Berliner Themenfelder

Der Vergleich mit der Frage, welche Partei die Berliner in den Bundestag wählen würden, verdeutlicht, dass für die Sozialdemokraten derzeit wenig zu holen ist in Berlin – denn sie landen dort erneut nur bei 15 Punkten. Grüne und CDU dagegen haben Potenzial zu heben, denn ihre Sonntagsfrage im Bund weist höhere Werte aus (jeweils zwei Prozentpunkte mehr). Bei der AfD wiederum scheint das Bundesangebot der Rechtspopulisten bis teils Rechtsradikalen sogar attraktiver zu sein. Ihr Anteil am Wahlergebnis wäre laut Forsa im Bund um ein Viertel höher als auf Landesebene.

Ebenfalls via Forsa bezeugten die Hauptstädter jüngst der Berliner Bildungspolitik ihre massive Unzufriedenheit. Dies drückt sich auch, einmal mehr , in den (Un-)Beliebtheitswerten von Senatorin Sandra Scheeres (SPD) aus, die selbst auf dem letzten Platz weiter abrutschte. Nur wenig besser geht es Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) sowie dem Grünen Dirk Behrendt, von Beruf Justizsenator, und der Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne).

Mit ihren Ressorts sind die wichtigsten Berliner Themenfelder adressiert: Die meisten Hauptstädter nennen Wohnungsnot (43 Prozent), Verkehrsprobleme (36) und Bildungspolitik (29) als drängendste Probleme der Stadt, mit einigem Abstand folgt Kriminalität (19). Hier schauen die Leute hin, hier wollen sie Lösungen. Und auch wenn „R2G“ insgesamt noch gut dasteht: Wer keine Lösungen liefert, wird durchgereicht.