Der erste Stimmungstest ist schon mal gründlich daneben gegangen: Kurz nachdem die Hauptstadt-Grünen mit großer Mehrheit ein nach allen Seiten ausgewogenes Spitzen-Quartett als Wahlkampfkollektiv für 2016 gekürt haben, sackt die Partei spürbar ab. Dies ergibt die aktuelle repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Berliner Zeitung. Was exakt die Ursache ist – zu wenig Präsenz der Protagonisten, zu wenig Profil bei den stadtbestimmenden Themen Flüchtlinge und Wohnen –, bleibt dabei unklar. Klar ist allerdings: Mit dem Bundestrend hat der Einbruch in der Sonntagsfrage und auch beim Image wichtiger Führungspersonen nichts zu tun. Denn bundesweit schneiden die Grünen derzeit stabil bis leicht positiv ab.

In Berlin sieht das anders aus. Den Super-Grünen Bettina Jarasch (fürs eher bürgerliche Publikum), Daniel Wesener (mit linkem Profil), Ramona Pop (mit Schwarz-Grün-Interessen) und Antje Kapek (mit Linkspragmatik) kann es jedenfalls nicht gefallen, dass ihre Partei zwei Punkte einbüßt und nun hinter den Linken nur noch viertstärkste Kraft wäre.

Für die gewünschte Regierung mit der SPD, die unverändert bei 29 Prozent steht, würde es zwar immer noch reichen, doch solide wäre eine solche Mehrheit nach heutigem Stand nur dann, wenn höchstens noch eine weitere Kleinstpartei ins Parlament gewählt würde – also die Piraten (jetzt bei vier Prozent), die AfD (drei Prozent) oder, neuerdings, auch wieder die FDP, die ganz offenbar von der bundesweiten Schwäche der Union profitiert und auf vier Prozentpunkte kommt.

Anlass zur Sorge über ihr persönliches Standing haben die beiden grünen Fraktionsvorsitzenden Pop und Kapek so viel wie nie. Sie rutschen im eng besetzten Mittelfeld der Beliebtheitsskala (siehe Grafik oben) fast ganz ans Ende und machen damit schon den ewigen Schlusslichtern von den Piraten Konkurrenz. Womöglich bringt der von ihnen eingeschlagene Kuschelkurs mit der SPD, wofür es schon Lob vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller gab, letztlich doch keine Punkte beim Publikum.

Selbstbewusste Sozis

Ansonsten bietet sich ein weitgehend stabilisiertes Bild: Müllers Spitzenstellung scheint auch bei fortdauerndem Krisenmanagement für die Flüchtlingsversorgung ungefährdet. Seine Sozialdemokraten müssen sich dennoch ein weiteres Mal mit der Hoffnung vertrösten lassen, endlich die magische Marke von 30 Prozent zu schaffen. Ihrem Selbstbewusstsein schadet das gleichwohl nicht, denn die Sozis haben mit 64 Prozent immer noch den höchsten Selbsteinschätzungswert bei der Frage, welche Partei am besten mit den Problemen Berlins fertig wird. Zum Vergleich: Anhänger der Christdemokraten sagen dies nur zu 51 Prozent von der CDU.

Die CDU schwächelt indes weiter, allerdings nicht so stark, wie der negative Bundestrend vermuten lassen würde. Für Parteichef und Innensenator Frank Henkel (CDU) hat der grüne Abstieg sogar ein Gutes. Trotz seiner persönlich geringen Verbesserung verlässt Henkel das untere Drittel der Skala. Peinlich dabei ist nur: Beliebteste Christdemokratin ist ausgerechnet diejenige, die die Union eigentlich am liebsten los würde – Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer. Sie steht auf der Forsa-Rangliste vier Plätze vor Parteichef Henkel.