Berlin - Die große Konjunkturlage in Berlin ist derzeit überaus freundlich. Die Wirtschaft wächst in fast allen Bereichen deutlich, die Geschäfte laufen nicht schlecht, wovon die Stadt in zweierlei Hinsicht einiges hat: Erstens steigen die Steuereinnahmen und verhelfen der Stadt zu größeren Spielräumen bei dringend notwendigen Investitionen. Zweitens ist die Arbeitslosigkeit gesunken, die Zahl der Beschäftigten steigt so kräftig wie in keinem anderen Bundesland.

Die Firmen und vor allem deren Beschäftigte haben diesen Erfolg erarbeitet – aber wie gut sind große und bekannte Berliner Unternehmen in der Stadt angesehen? Wie ist das Image von Firmen, die seit vielen Jahren die wirtschaftliche Lage in der Stadt mitbestimmen?

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat vor Kurzem dazu in einer repräsentativen Umfrage etwas mehr als 1000 Berliner befragt. Auf dem ersten Platz herrscht Konstanz: Wie schon in der Umfrage 2014 geben die Einwohner der Stadt den Saubermännern und -frauen von der Berliner Stadtreinigung (BSR) die beste Bewertung unter allen 21 untersuchten Firmen. Auf einer Skala von plus 5 („sehr gute Meinung“) bis minus 5 („sehr schlechte Meinung“) erhielt die BSR eine respektable Note von 2,8, was von keiner anderen Institution übertroffen wurde. Am anderen Ende der Skala betonierte der Flughafen Berlin-Brandenburg sein Verlierer-Image und rutschte noch tiefer.

Auffällig ist wie schon bei der Umfrage vor zwei Jahren, dass die öffentlichen Unternehmen besser abschneiden als die der Privatwirtschaft. Die Spitzengruppe ist fest in öffentlicher Hand, nur der Recycling-Konzern Alba auf Platz vier konnte in die Phalanx der Öffentlichen eindringen. Mit Siemens und Lufthansa folgen zwei Großkonzerne und ökonomische Schwergewichtige. Ihnen bleibt der erstmalig aufgenommene Berliner Verlag – in dem auch die Berliner Zeitung erscheint – dicht auf den Fersen.

Bahn leicht verbessert

Bei Unternehmen wie der BSR, den Wasserbetrieben und auch der BVG dürften die Berliner vor allem würdigen, dass diese einfach funktionieren. Jeden Tag wird der Müll weggeräumt, das Wasser kommt frisch aus dem Hahn, bei der BVG läuft der Verkehr mit weniger Reibungen als bei Bahn oder S-Bahn.

In der Gunst der Berliner konnten sich im Vergleich zu 2014 die Deutsche Bahn, die S-Bahn und Vattenfall sowie auch die Gasag leicht verbessern. Bis auf die Gasag hatten die Unternehmen zuvor einen herben Ansehensverlust erlitten. Die Bahn und die zu ihr gehörende S-Bahn wegen des jahrelangen Spar-Kurses, der auf glänzende Zahlen zielte, aber Verschleiß bedeutete. Beide holen langsam wieder auf, wenn auch Einwohner und Gäste von den vielen Baustellen und Ersatzfahrplänen genervt sind.

Vattenfall stand und steht zum Teil noch wegen des Betreibens von Atomkraftwerken in der Kritik und ebenso wegen der Verfeuerung von Braunkohle zur Stromerzeugung. Inzwischen ist klar, dass der schwedische Energiekonzern sich aus der Lausitzer Kohle zurückzieht. Dennoch ist nicht verwunderlich, dass Vattenfall insbesondere bei Anhängern der Grünen und der Linken miserable Image-Werte einfährt.

Zu den klaren Verlierern zählen der Flughafen, der Online-Modehändler Zalando und die Fluggesellschaft Air Berlin. Bei Air Berlin dürften viele Berliner hin- und hergerissen sein. Einerseits geben etliche Kunden der Airline wegen des besseren Service noch den Vorzug vor absoluten Billigfliegern wie Easyjet und Ryanair. Andererseits färben die wirtschaftlichen Turbulenzen, in denen Air Berlin seit Jahren verharrt, auf das Ansehen des Unternehmens ab. Zalando schneidet nur bei den 18- bis 29-Jährigen mit einem positiven Image gut ab.

Für Unternehmen wie Deutsche Bahn, Flughafen, Messe, Verkehrsbetriebe, Lufthansa sowie Sparkasse und Volksbank liegen Vergleichswerte von Forsa aus Frankfurt am Main vor. Das Ansehen von 5 dieser 7 Unternehmen, ist in Berlin niedriger als in der Main-Metropole. Die größte Diskrepanz gibt es beim Flughafen: Der Frankfurter Fraport gehört – trotz der Diskussionen um den Fluglärm – zu den beliebtesten dortigen Unternehmen. Sparkasse und Volksbank werden in Berlin deutlich schlechter bewertet als in Frankfurt am Main. Die BVG ist das einzige Berliner Unternehmen, das besser bewertet als der Gegenpart in Frankfurt.

Grafiken: Isabella Galanty und Anja Kühl