Das hat es in den Forsa-Umfragen für die Berliner Zeitung noch nie gegeben: Innerhalb von drei Wochen, also seit der letzten repräsentativen Erhebung, haben die wichtigsten politischen Akteure in der Flüchtlingspolitik dramatisch an Ansehen verloren.

Allen voran Mario Czaja, der für die Unterbringung der Asylsuchenden zuständige Sozialsenator. Der CDU-Politiker stürzt um 0,7 Prozentpunkte ab – bei den Anhängern der Union verliert er sogar 0,9 Prozentpunkte. Czaja fällt auf der Rangliste der beliebtesten Politiker vom Mittelfeld um sieben Plätze auf die vorletzte Position der Treppe. Nur Alexander Spies von den Piraten wird noch schlechter bewertet.

Mehrheit gegen Rücktritt

Für den Sozialsenator ist das ein immenser Ansehensverlust. Der gebürtige Ost-Berliner gehörte lange Zeit zu den populärsten Senatoren – bis die Flüchtlingskrise zu seiner persönlichen Krise wurde. Doch obwohl die Befragten mit seiner Arbeit nicht einverstanden sind, fordern sie keine personellen Konsequenzen. 57 Prozent der Berliner lehnen einen Rücktritt Czajas ab. Bei der CDU sind es sogar 68 und auch bei der SPD 61?Prozent. Lediglich 29 Prozent sind der Auffassung, dass der Sozialsenator wegen der Zustände im Lageso zurücktreten sollte.

Auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) bekommt einen deutlichen Dämpfer. Zwar steht er auf der Politikertreppe weiterhin ganz oben, muss aber deutliche Einbußen von 0,4 Prozentpunkten hinnehmen. Innensenator und CDU-Chef Frank Henkel verliert 0,3 Punkte, auch die SPD-Senatorinnen Dilek Kolat (Integration) und Sandra Scheeres (Bildung) verlieren mit einem Minus von 0,2 beziehungsweise 0,1?Punkten leicht. Matthias Kollatz-Ahnen (Finanzen) und Andreas Geisel (Bauen) von der SPD legten dagegen etwas zu.

Zu dem insgesamt schlechten Stimmungsbild dürfte die bundesweite Berichterstattung über das Chaos in der Erstaufnahmestelle des Lageso an der Turmstraße beigetragen haben. Überregionale Medien berichteten über „die schlechteste Behörde Deutschlands“, bezeichneten Berlin gar als „Failed Stadt“, als gescheitert. Selbst die New York Times beschäftigte sich mit dem Lageso. Die Abkürzung steht inzwischen wie der BER für das Versagen einer Stadt. Wohl auch unter diesem Eindruck forderte Müller vor knapp zwei Wochen im Fernsehen den Rücktritt von Lageso-Chef Franz Allert, der sich daraufhin vom Sozialsenator freistellen ließ.

Dieser öffentlich ausgetragene Streit wird von den Bürgern offenbar nicht geschätzt. Bei der Sonntagsfrage ist die SPD wieder unter die 30-Prozent-Marke gerutscht. 29 Prozent (minus 1) der Befragten würden die Sozialdemokraten wählen, wenn am Sonntag Abgeordnetenhauswahl wäre. Die CDU kommt auf 23 Prozent und verbessert sich leicht um einen Prozentpunkt. Die Grünen liegen bei 17, die Linke bei 14 Prozent und verlieren jeweils einen Punkt.

AfD liegt bei fünf Prozent

Die Piraten verharren bei drei Prozent, die FDP verbessert sich um einen Prozentpunkt auf vier Prozent, nimmt aber weiterhin nicht die Fünf-Prozent-Hürde. Dagegen würde der rechtspopulistischen AfD mit fünf Prozent der Einzug ins Parlament gelingen.

Zwischen dem 7. und 17. Dezember befragte Forsa 1?005 Berliner, die statistische Fehlertoleranz beträgt plus/minus drei Prozentpunkte.