Das Rennen um Platz zwei bei der Abgeordnetenhauswahl am 18. September wird knapp: Den Grünen ist es im vergangenen Monat nicht gelungen, ihren Vorsprung zur CDU auszubauen. Mit 19 Prozent verlieren sie leicht um einen Prozentpunkt und liegen nur noch knapp vor der Union, die unverändert bei schwachen 18 Prozent stagniert. Die SPD gewinnt einen Prozentpunkt hinzu und erreicht 27 Prozent. Das ist das Ergebnis der aktuellen Forsa-Umfrage für die Berliner Zeitung.

Damit wird der Abstand zwischen SPD und Grünen wieder größer. Der Höhenflug der Grünen, die sich den Sozialdemokraten in den vergangenen Monaten bis zuletzt auf sechs Prozentpunkte genähert hatten, ist vorerst gestoppt. Auch Fraktionschefin Ramona Pop muss einen Dämpfer hinnehmen. Die Befragten konnten direkt zwischen Amtsinhaber Michael Müller (SPD), Innensenator Frank Henkel (CDU) und erstmals auch Ramona Pop als Regierendem/r Bürgermeister/in wählen. Für Pop entscheiden sich nur 14 Prozent, 16 Prozent für Henkel, Müller liegt mit 39 Prozent weiterhin klar vorn.

Auch in der eigenen Wählerschaft ist die Fraktionschefin, die auf Platz eins kandidiert und somit faktisch an der Spitze des Viererteams steht, umstritten: Nur 42 Prozent der Anhänger der Grünen stimmen für sie als Senatschefin. Noch bei der letzten Erhebung von Forsa im Mai erzielte Pop bei der Bewertung der Charaktereigenschaften der Spitzenkandidaten gute Ergebnisse. Eine Mehrheit der Befragten stufte die Politikerin als kompetent und modern ein – in fast allen Punkten schnitt sie besser als Henkel ab.

Henkel spaltet CDU-Wähler

Auch der CDU-Spitzenkandidat spaltet. Den Parteichef wollen ebenfalls gerade mal 41 Prozent der Anhänger der Union als Regierenden Bürgermeister haben. Für Henkel sollte dies ein Alarmsignal sein. Mit Aktionen wie dem Polizeieinsatz in der Rigaer Straße kann der Innensenator nicht punkten. In der Rangliste der bekanntesten Politiker verharrt er auf dem drittletzten Platz, in der CDU wachsen die Zweifel an der Eignung ihres Spitzenkandidaten.

Die Mehrheit der Berliner entscheidet sich für Müller als Senatschef, der 72 Prozent der Anhänger seiner Partei, aber auch 27 Prozent der CDU-Wähler sowie 32 Prozent der Sympathisanten der Grünen überzeugen kann. Bei den Anhängern der Linken sprechen sich sogar 38 Prozent für Müller aus. Das mag am Amtsbonus liegen. Aber ein Grund für die parteiübergreifende Zustimmung dürfte auch sein, dass zumindest gegenwärtig fast jeder davon ausgeht, dass die SPD stärkste Kraft wird und den Regierenden Bürgermeister stellt.

Die Ergebnisse zeigen zudem, dass es keinen Austausch zwischen dem linken und konservativen Lager gibt: Henkel ist für eine überwältigende Mehrheit der Grünen nicht wählbar, für die CDU wiederum kommt Pop nicht in Frage. Ein Bündnis aus Schwarz und Grün ist für die Berliner kein Thema. Pop gilt gegenüber dieser Konstellation als aufgeschlossen.

Dagegen käme Rot-Grün auf 46 Prozent, wenn am Sonntag Abgeordnetenhauswahl wäre. Die Linke liegt weiter bei 14 Prozent, die FDP würde mit 6 Prozent ins Abgeordnetenhaus einziehen. Auch die AfD wäre mit unverändert 8 Prozent sicher drin. Für die Piraten, die 2011 aus dem Stand 8,9 Prozent schafften, dürften sich dagegen alle Chancen zerschlagen haben. Sie laufen nur noch unter Sonstige. „Die Piraten tendieren zu einem Prozent“, sagt Peter Matuschek, Leiter Politik und Sozialforschung bei Forsa. Viele Abgeordnete haben inzwischen die Piraten verlassen. Fraktionschef Martin Delius unterstützt die Linke, sein Co-Vorsitzender Heiko Herberg ist in die SPD eingetreten. Für die Umfrage wurden 1001 Berliner vom 20. bis 30. Juni befragt. Die statistische Fehlertoleranz beträgt plus/minus drei Prozentpunkte.