Berlin - Nur noch eine Woche, bis zum 10. Juni, haben die Berliner Zeit, für das Volksbegehren des Berliner Energietischs zu unterschreiben – wenn sie denn mit den Zielen der Bürgerinitiative übereinstimmen. Die fordert die Rekommunalisierung des Stromnetzes und den Aufbau eines landeseigenen Öko-Stadtwerks, das demokratisch von den Berlinern kontrolliert werden soll. Bis gestern waren 153.000 von rund 200.000 benötigten Unterschriften beisammen, die Organisatoren blasen zum Sammelendspurt auf Straßen und Plätzen.

Demoskopisch hätte der Energietisch bereits haushoch gewonnen. 62 Prozent der von Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung befragten Berliner über 18 Jahre sagen, dass sie die Forderungen des Energietischs unterschreiben würden. Das wären übertragen auf die Statistik der Wahlberechtigten geschätzt etwa 1,5 Millionen Unterschriftswillige. Die meisten Befürworter einer Verstaatlichung des Stromnetzes sind Anhänger der Linkspartei (92 Prozent), der Grünen (75) und der Piraten (73). Bei der SPD sind 62 Prozent dafür, bei der CDU nur 58 Prozent. Bemerkenswert ist, dass die Älteren über 45 Jahren zu über 70 Prozent dem Energietisch zustimmen, die 18- bis 29-Jährigen nur zu 47 Prozent. Vielleicht sehnen sich die Älteren nach einer kommunalen Gasag und Bewag zurück.

Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit

Bei der Energieversorgung achten die Berliner vor allem auf eins: Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit. Bis zu 80 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus. Die in der politischen Debatte hoch gehandelte Frage, wie der Strom erzeugt wird, spielt bei den Berlinern eine deutlich geringere Rolle. Aber immerhin ist 61 Prozent der Berliner wichtig, dass ihr Strom umweltschonend erzeugt wird. In der Zahl der Ökostromkunden in Berlin spiegelt sich das derzeit allerdings nicht wider. 44 Prozent der Befragten halten es ebenfalls für wichtig, an Entscheidungen über die Energieversorgung beteiligt zu werden.

Würde ein kommunales Stadtwerk Berlin besser, zuverlässiger und billiger mit Strom versorgen als jetzt der Vattenfall-Konzern? Da sind die 1005 von Forsa repräsentativ befragten Berliner geteilter Meinung. 55 Prozent sagen, dass ein landeseigenes Stadtwerk besser und zuverlässiger Strom liefern würde. 50 Prozent rechnen bei einer Verstaatlichung mit niedrigeren Preisen. Die jeweils andere Hälfte der von Forsa Befragten glaubt das nicht. Eine echte Wechselstimmung zu einem kommunalen Stadtwerk ist derzeit nicht zu erkennen. Denn der Großteil der Berliner ist mit der Energieversorgung durch die Privaten zufrieden. 80 Prozent sagen das über die Strom- und sogar 91 Prozent über die Gasversorgung.