Berlin - Berlin brummt. Darüber habe ich ja vor einiger Zeit schon mal geschrieben.  Damals ging es darum, dass eine gute Bekannte einen eigenartigen unterschwelligen Brummton in Friedrichshain hörte, der wie ein Nebelhorn oder Schiffssignal klang. Auch in der Nacht war er zu hören. Aber sie konnte die Herkunft nicht lokalisieren.

An jenen seltsamen Brummton musste ich denken, als ich jüngst eine Meldung las. In dieser ging es um die Raumsonde „Voyager 1“, die seit mehr als 40 Jahren im Weltall unterwegs ist und vor neun Jahren das Sonnensystem verlassen hat. Seitdem saust sie durch den interstellaren Raum. Als Forscher nun Messungen der Sonde auswerteten, fanden sie etwas Interessantes heraus. Und was? Richtig! Im Weltall brummt’s! 

Als Mensch könnte man das Brummen da draußen allerdings nicht hören, denn Schall kann sich im Vakuum nicht fortbewegen. Die Forscher haben aber Daten von „Voyager 1“ ausgewertet. Diese zeigen, dass das Gas zwischen den Sternen mit einer Frequenz von 40 Hertz schwingt. Im Internet – auf YouTube –kann man diese Plasmawellen in Töne verwandelt hören: als tiefes, unterschwelliges Brummen.

Auch die ganze Erde brummt – ebenfalls fürs menschliche Ohr nicht vernehmbar. Das tiefe Brummen von bis zu zehn Hertz entsteht, weil lange Ozeanwellen vor den Küsten der Kontinente den Erdball in Schwingungen versetzen. So haben es jedenfalls Forscher vor einigen Jahren erklärt. „Ick gloob et zwar nich so richtich“, sagt mein innerer Berliner, „aba wenn et so is, isset so.“

Andere Brummtonphänome vernahm man schon in verschiedenen Teilen der Welt. Etwa im Schweizer St. Gallen, wo es Bewohner einer Siedlung verrückt machte. Ein Blatt schrieb 2017: „Manchmal tönt es wie ein grosser Sturm, dann wieder wie in einer Transformatorenstation, ein anderes Mal, wie wenn in einer nahen Garage ständig ein Motor laufen oder in der Straße Beton gemischt würde.“

Ursachen wurden bisher nicht gefunden, wie auch bei ähnlichen Ereignissen in Süddeutschland, England und den USA. Vermutet werden psychische Probleme, Folgen der Technisierung oder ein besonders gutes Hörvermögen Betroffener. „Vielleicht brummt ja dit janze Weltall im Kopp von manchen Leuten“, brummelt mein innerer Berliner.

Zurück zum eingangs erwähnten Brummton in Berlin: So etwas kann man natürlich nur vernehmen, weil die Stadt heute viel leiser ist als noch vor neunzig Jahren, als der berühmte Kabarettist Otto Reutter im Wintergarten sang: „Nee, det Jeräusch in eenem fort, det Klingeln, Rasseln, det Jeläute ...“ Hinzusetzen müsste man: „det Jescheppa, Jestampfe, Jejaule, Jequietsche, Jeratter, Jetrappel und Jepfeife.“

Fahrzeuge schnurrten damals nicht so leise um die Ecke wie heute. Sie dröhnten, knatterten, knallten und tröteten. Die Loks waren laut stampfende, zischende Dampfkolosse. Werksirenen jaulten, Pferdewagen rasselten. Ein unterschwelliger Brummton von irgendwoher wäre da gar nicht aufgefallen. Seien wir also froh, dass wir in stillen Stunden heute sogar das Universum brummen hören können.