Forst (Brandenburg): Schulleiter soll Schüler misshandelt haben

Forst/Potsdam - Die Vorwürfe gegen einen Schulleiter im südbrandenburgischen Forst (Spree-Neiße) wiegen schwer, so schwer, dass nicht nur die zuständige Schulaufsicht den Fall nun noch einmal prüft, sondern dass sich die Staatsanwaltschaft entschlossen hat, Anklage zu erheben. Der Tatvorwurf gegen den Pädagogen lautet Körperverletzung.

Dem Schulleiter werden nach Angaben des Amtsgerichts Cottbus 20 Fälle von Tätlichkeiten gegen insgesamt sieben Schüler vorgeworfen. Dabei soll es sich um eine Backpfeife handeln, um Schläge auf den Hinterkopf und wohl auch um Tritte.

Vorwürfe seit 2017

Das Problem an diesem Fall ist, dass die Vorwürfe sich auf die Jahren 2015 bis 2017 beziehen. „Es gab 2017 Meldungen von Eltern über Tätlichkeiten und Beschwerden beim Bildungsministerium“, sagte Ministeriumssprecher Ralph Kotsch der Berliner Zeitung. Die zuständige Schulaufsicht habe den Fall daraufhin ausführlich und intensiv untersucht, habe mit Eltern, Lehrern und dem Direktor gesprochen.

„Aber die Sache ist laut Schulaufsicht sehr komplex, und die Aussagen sind völlig widersprüchlich, so dass bislang nicht geklärt werden konnte, wer denn dort die Wahrheit sagt“, sagte Kotsch.

Aussage gegen Aussage

Eltern haben dann auch Anzeige gegen den Direktor der Schule gestellt. Doch der bestritt die Vorwürfe vehement und stellte dann sogar selbst eine Art Gegenanzeige gegen sich selbst, um die Vorwürfe von den Ermittlungsbehörden aufklären zu lassen. Der Fall wurde auch in der Schule offen besprochen.

Auf Wunsch der Eltern gab auch die Möglichkeit, dass die Eltern beim Unterricht des Direktors hospitieren konnten, was sie auch machten. Aber all das brachte offenbar keine Klarheit, was passiert ist. Weiterhin steht Aussage gegen Aussage.

Bislang nicht suspendiert

Bislang ist der Direktor weiterhin im Amt und nicht suspendiert. Ein Problem ist dabei für die Schulaufsicht, dass es sich um keine staatliche, sondern eine private Schule mit 71 Kindern handelt. Der Schuldirektor ist in dieser Bildungseinrichtung nicht nur Leiter und Lehrer, sondern über einen Gesellschaft auch der Träger dieser Schule.

„Dass die Staatsanwaltschaft nun doch einen hinreichenden Tatverdacht für eine Anklage gegen den Schulleiter gesehen hat, ist für das zuständige Schulamt nun Anlass, die Sache noch einmal eingehend zu prüfen“, sagte Ministeriumssprecher Kotsch. „Dazu soll es noch in dieser Woche eine Entscheidung geben.“

Prozess nicht in diesem Jahr

Sie soll offenbar in dieser Woche geschehen, weil dann die Herbstferien enden. Derzeit hat der Direktor keinen Kontakt zu den Schülern.

Die erneute Prüfung und die Anklage der Staatsanwaltschaft lässt es aus heutiger Sicht als eher wahrscheinlich erscheinen, dass der Schule untersagt wird, dass der Direktor weiterhin Schüler unterrichten darf, bis die Vorwürfe gerichtlich geklärt sind.

Der Prozess wird wohl nicht mehr in diesem Jahr beginnen, überhaupt muss das Gericht nun erst einmal entscheiden, ob die Anklage überhaupt für einen Prozess zugelassen wird – ob es also genügend Beweise oder Indizien gibt, die eine Verurteilung überhaupt ermöglichen würden.