Berlin - Das Mannschaftsspiel ist neu, es soll demnächst Bestandteil des Sportunterrichtes an Berlins Schulen werden. An diesem Tag bringen es Schüler der Pankower Schule an der Strauchwiese ihren Sportlehrern bei. Sie tragen große Klettstreifen auf der Brust und am Gesäß, an denen ein Ball haften bleiben kann. Da die Mitspieler den Ball nicht fangen dürfen, nähern sie sich ihm mit ganz erstaunlichen Körperbewegungen.

Wer den Ball mit dem Gesäß fängt, erhält drei Punkte, für das Stoppen mit der Brust gibt es einen Punkt. Fällt der Ball auf den Boden, darf er allerdings nur mit dem Gesäß aufgenommen werden. Nachdem die Schüler das Spiel vorgestellt haben, üben die Lehrer. Es sieht zunächst ein wenig komisch aus, wie sie den Kollegen den Ball aus dem Gesäßbereich pflücken.

„Bumball“ nennt sich das Spiel, das ursprünglich aus Dänemark stammt. Die Sportlehrer aus Pankow und Mitte, die das Spiel an diesem Tag in der Max-Schmeling-Halle in Prenzlauer Berg kennenlernen, haben Fortbildungstag. Sie haben sich zusammengefunden, um neue Spiele und Sportarten zu erlernen. „Wir wollen unseren Unterricht ein bisschen aufpeppen“, sagt Sportlehrer Lutz Müller, der die Fortbildung mitorganisiert hat. Es gehe darum, den Schülern mit neuen Spielen auch mal ungewöhnliche Bewegungsabläufe näher zu bringen. „So nach dem Motto: Ich bestimme über den Ball, der Ball bestimmt nicht über mich“, sagt Müller. Es gebe ja immer Schüler, die Angst vor dem Ball hätten. An der Schule an der Strauchwiese, die Grundschule und Förderzentrum zugleich ist, gebe es zudem auch gehandicapte Kinder. Sie hätten dank Bumball wieder Spaß im Umgang mit dem Ball bekommen.

Sportunterricht wird abwechslungsreicher

Christian Pireli ist extra aus Belgien angereist, er ist Vertreter für die Bumball-Ausrüstung, sein Land ist fast eine Bumball-Hochburg. „Diese Sportart soll helfen, dass alle Kinder mitmachen im Sportunterricht – auch die, die Angst haben, Bälle zu fangen“, sagt er.

Eine Halle weiter hüpfen 20 Sportlehrer zu schneller, lauter Musik auf und ab, sie tanzen und werfen die Arme in die Höhe. Ulrike Bauer heißt die junge Lehrerin von der Carl-Krämer-Grundschule in Wedding, die hier Aerobic 2012 anbietet – kleine Choreographien zu Popmusik, aber auch zu karibischer Reggaeton oder zu neumodischen Zumba-Rhythmen. „Die meisten Schüler wollen heutzutage keine Gymnastik mehr machen, sondern tanzen wie die Popstars“, sagte Ulrike Bauer. Das macht offenbar auch den Sportlehrern Spaß, die ganz schön ins Schwitzen kommen. „Viele Stadtkinder haben doch ohnehin Probleme sich zu bewegen oder sind zu dick, dagegen hilft so ein zwangloser Tanz“, sagt eine Lehrerin.

In einer anderen Halle üben sich die Lehrer am Minitrampolin-Springen, außerdem gibt es gemeinsames Seilspringen, Ropejump genannt, und Floorball, eine Art Hockey mit Plastikbällen und Eishockeyschlägern. Einige Lehrer üben Linedance, sie tanzen in Reihen unabhängig voneinander vor- und nebeneinander her. In einer anderen Halle ist ein elastisches Seil gespannt, über das die Lehrer konzentriert balancieren. Slackline heißt diese Sportart, die ganz schön viel Körperbeherrschung erfordert. Schließlich ist das Seil nur schlaff gespannt.

Den Lehrern gefällt diese Form der Fortbildung, und Sportlehrer Müller kündigt ein weiteres Treffen an. Der Sportunterricht in Berlin dürfte in den kommenden Jahren sicherlich etwas abwechslungsreicher werden.