Berlin - Die alte Siemensbahn im Westen Berlins ist noch nicht wieder in Betrieb - da gibt es schon eine Auseinandersetzung darüber, wie die Trasse über den bisherigen Endpunkt Gartenfeld hinaus weitergeführt werden sollte. Einem Bericht des rbb zufolge geht man im Bezirksamt Spandau davon aus, dass die neue Strecke in einem Tunnel verlaufen soll, der die Havel unterquert. Doch der Senat wies die Darstellung zurück, dass man sich bereits auf eine Lösung verständigt habe.

"Die Berichterstattung über die angebliche Einigung zur Siemensbahn können wir nicht bestätigen. Aus einem einfachen, einleuchtenden Grund: Die Deutsche Bahn ist gerade erst dabei, eine Machbarkeitsstudie zum Thema vorzubereiten, die sie demnächst ausschreiben wird", sagte Jan Thomsen, Sprecher der Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne), auf Anfrage der Berliner Zeitung.

"Bei der Studie geht es um Lösungsvarianten für einen zweiten Bauabschnitt von Gartenfeld nach Hakenfelde, also um Fragen der Trassenführung, Umweltbelange, Denkmalschutz, natürlich auch um Bauzeiten und überschlägige Kostenermittlungen. Das Ergebnis dieser Studie kann dann als Entscheidungsgrundlage dienen, welche Planungsschritte folgen. Dafür muss dieses Ergebnis jedoch erst vorliegen", so Thomsen weiter.

Siemensbahn: Bezirk möchte Tunnel und drei Tunnelbahnhöfe

Der Bezirk ist gegen eine oberirdische Verlängerung der Siemensbahn - unter anderem deshalb, weil dies den geplanten Wohnungsbau in diesem Gebiet beeinflussen würde. "Oberirdisch ist keine Trasse ohne massive Eingriffe in Natur und Wohnungsbestand hinzubekommen", twitterte Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD). "Der Tunnelbau hingegen ist mit heutiger Technik kein Problem. Auch unter der Havel nicht, da sie nur wenige Meter tief ist. Die Planfestellung einer oberirdischen Trassen würde mit größter Wahrscheinlichkeit scheitern. Unterirdisch ist niemand im Weg. Auch nicht die Natur."

Der Berliner Fahrgastverband IGEB lehnt die Tunnelidee dagegen ab. "Die S-Bahn muss selbstverständlich oberirdisch über die Havel", entgegnete Sprecher Jens Wieseke, ebenfalls bei Twitter. Eine unterirdische Streckenführung mit drei Tunnelstationen (Insel Gartenfeld, Daumstraße und, westlich der Havel, Hakenfelde) wäre "vollkommen unrealistisch. Damit stirbt die Verlängerung." Kosten und Aufwand wären zu hoch. "Mit dieser Einstellung verhindern Sie dauerhaft die Erschließung des Spandauer Nordens", so Wieseke zum Spandauer Bürgermeister. Weder finanziell wäre ein Tunnel zeitlich eine realistische Option. 

Die von Siemens finanzierte S-Bahn-Strecke von Jungfernheide nach Gartenfeld ging 1929 in Betrieb. Als Eisenbahner in West-Berlin 1980 zu streiken begannen, stellte die Deutsche Reichsbahn den S-Bahn-Betrieb ein  und nahm ihn nach dem Ausstand nicht wieder auf. Die Hochbahn verfiel.

Eine Wiederinbetriebnahme war lange Zeit außerhalb der Diskussion. Doch seitdem Siemens angekündigt hat, in Siemensstadt unweit der Trasse für rund 600 Millionen Euro einen Campus, für Forschen, Produzieren und Wohnen, wird nun die Wiederinbetriebnahme der 4,6 Kilometer langen Trasse vorbereitet.

Sieben Meter hoher Damm oder 18 Meter tiefer Tunnel?

Bliebe es bei Tempo 60 und der bestehenden Führung, wäre kein Planfeststellungsverfahren nötig, hieß es bei der Bahn. Doch auf jeden Fall sind zehn Kilometer Gleise zu verlegen und zwei 150 Meter lange Spreebrücken neu zu errichten. Auch deshalb wird der Wunsch des Senats, 2025 fertig zu werden, als äußerst ambitioniert eingeschätzt.  

Falls es tatsächlich später zu einer Verlängerung der Siemensbahn kommt, ist klar, dass der jetzige Abschnitt nicht wie bisher fast ebenerdig in Gartenfeld enden kann, hieß es. Damit später Straßen und Kanäle gekreuzt werden können, müsste der vorläufige Endpunkt auf einem sieben Meter hohen Damm oder in einem 18 Meter tiefen Tunnel liegen.

Auch am Ring stünden umfangreiche Arbeiten an. Ohne eine zusätzliche Bahnsteigkante im Bahnhof Jungfernheide gehe es nicht, so die Bahn. Dort würden die S-Bahnen aus der Siemensstadt halten, bevor sie zum Hauptbahnhof weiterfahren. Um die Kapazität in Jungfernheide zu erhöhen, sei wohl ein Planfeststellungsverfahren nötig.