Noch versperrt die weiße Bauplane das Sanierungsgeschehen im Amerika Haus an der Hardenbergstraße. Im Frühjahr 2014 will hier die aus dem Postfuhramt an der Oranienburger Straße emigrierte Fotogalerie C/O neu eröffnen. Um sich im neuen Kiez einzuführen, beauftragte die Galerie 13 Fotografen der Agentur Ostkreuz, den neuen Kiez Charlottenburg, dessen Alltag und Leute zu erkunden, zu treffen, zu fotografieren.

Diese Motive, 150 an der Zahl, finden sich nun unter Glas in mehr als einem Dutzend Schautafeln vor der Bauplane, verankert im Kiesboden und überdacht von hohen alten Linden und Platanen, die ihr Blattwerk noch nicht dem Herbst geopfert haben. Es geht in den Bildern um Wandel: Gegenwart und Geschichte, um neuen Trubel und alten verblichenen Glanz, um den Bauboom und die Umbrüche, die großbürgerlichen Wohnungen und Geschäfte der Elite, den Schmutz und die Verwahrlosung der Ausgestoßenen am Bahnhof Zoo. Die Fotos erzählen von neuem jüdischen Leben und alten Mythen.

In Mitte gab es keine Zukunft mehr für die angesagte Fotokunst-Instanz C/O. Der neue Investor des Postfuhramtes cancelte bekanntlich endgültig alle Verbleibe-Pläne und auch der Standort Monbijoupark war ein Traum, der wie eine Seifenblase platzte. Jetzt also richten sich aller Optimismus und Ehrgeiz auf den neuen Ort nahe dem in seiner sozialen Gemengelage dauerpräsenten Bahnhof Zoo, unweit der Geschäftsboulevards, der neuen Luxus-Hotels – und vor allem in Lauf-Nähe zur Sammlung Newton und dem Museum für Fotografie. Ein Dreierbund für die Fotokunst.

„Neue Sicht auf Charlottenburg“: Vor der C/O-Baustelle, Hardenbergstraße 22-24. Bis 24. 11., tags und nachts.