Berlin -

Es kann passieren, dass sich Fritz-Hörer in diesen Tagen über ungewöhnliche Hintergrundgeräusche im Nachmittagsprogramm des Senders wundern. Lautes Lachen etwa, ein echter Brüller, ein Pochen an der Studiotür oder sicher nicht böse gemeinte Beschimpfungen von Teenagern. Es kann auch mal so klingen, als fahre gerade eine U-Bahn durch das Studio. Alles kein Grund zur Sorge, beim Jugendsender des RBB ist noch alles in Ordnung. Die Geräusche sind keine eingespielten Jingles und auch kein künstlicher Klangteppich.

Radio Fritz hat ein neues Studio mit Bar-Anschluss in Berlin bezogen. Statt der sendefreundlichen Ruhe in Potsdam-Babelsberg senden die Moderatoren, Redakteure und Techniker ab dieser Woche regelmäßig auch aus dem „Fräulein Fritz“. So heißt das neue Studio im Obergeschoss eines Hauses an der Falckensteinstraße, direkt an der Oberbaumbrücke, die Kreuzberg und Friedrichshain verbindet. Baumhausbar haben die neuen Mieter das dazugehörige Lokal genannt.

Live-Charakter der Sendungen

Die Aussicht dort ist ungewöhnlich: Schaut man aus dem einen Fenster, sieht man, wie die U-Bahnlinie 1 im Minutentakt auf Augenhöhe über die Oberbaumbrücke fährt. Dreht man den Kopf und sieht durch eine große Scheibe, kann man den Moderatoren bei der Arbeit zuschauen. „Wir sind jetzt mittendrin in Berlin“, sagt Fritz-Programmchefin Karen Schmied.

Die in Kreuzberg produzierten Sendungen sollen Live-Charakter haben, im Senderaum gibt es keinen Schallschutz, dafür mit dunklen Holzbrettern dekorierte Wände. Gut möglich, dass Besucher der Bar auch mal zum Interview ins Studio geholt werden oder die Moderatoren mit dem Mikro an die Bar kommen. Über laute Gäste wird sich im Studio wohl niemand beschweren. Zuschauer sind beim Radiosender ausdrücklich willkommen.

Programm-Chefin Karen Schmied sagt, für die Mitarbeiter habe sich ein langer Traum erfüllt. Der Sender wollte schon lange eine Außenstation in Berlin haben, wie auch Radio Eins bisher Sendungen im Admiralspalast an der Friedrichstraße produzierte. Seit dieser Woche sendet Radio Eins aus einem neuen Studio im Kino Babylon in Mitte.

Der Traum der Radio-Fritzen wurde Wirklichkeit, als Ende des vergangenen Jahres die neuen Betreiber des Clubs „Musik & Frieden“ in der Falckensteinstraße den früheren Club Magnet übernahmen. Musikmanager Beat Gottwald (K.I.Z., Kraftklub), einer der beiden neuen Betreiber des „Musik& Frieden“ hatte die Idee, dass in eine obere Etagen des Hauses, die früher eine Abstellkammer war, Radio Fritz ein Studio einrichten könne. „Wir sind ein Musikclub und ein Treffpunkt für Musiker“, sagt Gottwald. „Ein Radiosender wie Fritz passt da sehr gut ins Konzept“, sagt er.

Nachfrage ist enorm

Die Senderverantwortlichen im RBB müssen diese Idee wohl sehr gut gefunden haben, denn bereits im Dezember gab es bei Fritz die Generalprobe aus Kreuzberg. Der Sendetisch bestand damals aus Europaletten, sie standen auf dem Betonboden. Wer hochhackige Schuhe trug, musste sie ausziehen, wegen des Schallschutzes. Dann ging alles ganz schnell.

Seit diesem Montag ist das Studio komplett eingerichtet: Mikrofonplätze, Sendepult, Laptops, Computerarbeitsplätze und höhenverstellbare Stühle. Zur Eröffnung sendet Fritz sein tägliches Nachmittagsprogramm aus Kreuzberg, anschließend werden Musik-Spezialsendungen ab 20 Uhr von Montag bis Freitag von dort gesendet.

Die gute Lage des Studios hat viele Vorteile: Rund um das Studio befinden sich Musikagenturen und Label wie Universal und Clubs wie das Watergate, das Lido und das SO 36 in Kreuzberg, sowie das Astra-Kulturhaus und weitere Konzertstätten auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain. Künstler, die dort abends auftreten, können vorher noch schnell zum Interview ins Kreuzberger Fritz-Studio kommen und müssen nicht mehr stundenlang bis nach Potsdam fahren und im Stau stehen. Zudem wohnen auch viele Künstler in Kreuzberg. Und Mitarbeiter des Senders. Die Nachfrage der Moderatoren nach einem freien Sendeplatz im Kreuzberger Studio sei enorm, heißt es.

Künftig will der Sender Konzerte, Lesungen und Vorführungen im „Fräulein Fritz“ veranstalten. Und auch die nächste Berliner Tatort-Preview wird dort stattfinden.

Fräulein Fritz Opening Party: am heutigen Freitag, 23 Uhr, im „Musik& Frieden“, Falckensteinstraße 48. Mit den Moderatoren Visa Vie, Claudy Kamieth, Chris Guse und David Krause als DJ. Eintritt: 7 Euro.