Berlin - „Kennen Sie Lehrkräfte, oder haben Sie von Lehrkräften gehört, die Testantworten nachträglich veränderten?“, wurden die beteiligten Lehrer darin gefragt. Oder: „Kennen Sie Lehrkräfte, die während des Tests vorgesagt haben?“ Auch nach Lehrern, die unerlaubte Hilfsmittel zuließen oder Schüler zum Schummeln ermutigten, wurde gefragt. 15 Fragen dieser Art standen auf dem Bogen, dazu gab es Platz für weitere Notizen.

Die derart examinierten Lehrer fühlten sich wie Schüler behandelt. Solcherlei Fragen wollten sie nicht beantworten. Das Kollegium der Benjamin-Franklin-Sekundarschule protestierte umgehend beim verantwortlichen FU-Institut für Schulqualität: „Mit Entsetzen müssen wir feststellen, dass durch diesen Fragebogen dazu aufgefordert wird, Kollegen zu beurteilen und zu bespitzeln“, heißt es im Brief des Kollegiums. „Uns erinnert dieses Vorgehen stark an diktatorische Regime.“ Einzelne Lehrer sprachen von „Stasi-Methoden“.

Die Bildungsforscher verteilten diese Bögen an ausgewählten Sekundarschulen, an denen auch Extra-Tests geschrieben wurden. Mit den Tests wollten sie prüfen, zu welchen Leistungen Achtklässler nach der Schulreform fähig sind. Die Forscher wollten dabei genau wissen, ob Lehrer Schülern gezielt helfen, damit ihre Klasse bei zentralen Tests besonders gut da steht. Das soll nämlich schon mal vorkommen.

Der Leiter des FU-Institutes reagierte prompt: „Dieser Fragebogen ist uns missglückt und wurde keiner weiteren Kontrolle unterzogen, so dass er gewissermaßen durchrutschte“, schrieb Wolfang Wendt den Lehrern. Er sei zu „vernichten“. Wer Lehrer kontrollieren will, muss die Mittel halt behutsam wählen.