Berlin - Noch gibt es keine Entscheidung, aber das Land Berlin soll nach Informationen der Berliner Zeitung erwägen, sich aus dem Wiederaufbau des Berliner Schlosses (Humboldt-Forum) zurückzuziehen. Was würde ein Ausstieg des Landes Berlin für das Projekt bedeuten?

Wie ist Berlin finanziell am Bau des Schlosses beteiligt?

Das Land Berlin zahlt 32 Millionen Euro für den Bau des Humboldt-Forums. Das ist sehr viel weniger als der Bund, der 478 Millionen Euro gibt. 80 Millionen Euro für die Rekonstruktion der historischen Barockfassaden sollen aus Spenden aufgebracht werden. Insgesamt wird mit Kosten von 590 Millionen Euro gerechnet. Neben den 32 Millionen hat Berlin einen Teil des Grundstücks eingebracht – im Wert von rund 51 Millionen Euro.

Welche Leistungen hat das Land Berlin bereits erbracht?

Berlin hat von den 32 Millionen Euro bereits 27 Millionen Euro gezahlt. Die letzte Rate in Höhe von fünf Millionen Euro soll im ersten Quartal des kommenden Jahres überwiesen werden. Der Grundstücksanteil des Landes Berlin wurde im Jahr 2012 notariell auf die Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum übertragen. Sie fungiert als Bauherr des Projekts.

Was soll Berlin für sein Geld im Humboldt-Forum bekommen?

Berlin kann im Schloss 5 000 Quadratmeter Fläche nutzen. 4 000 Quadratmeter sind für die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) geplant, 1 000 Quadratmeter entfallen auf die Humboldt-Universität. Den Großteil der Flächen im Umfang von 24 000 Quadratmetern wird die Stiftung Preußischer Kulturbesitz belegen, die ihre außereuropäischen Sammlungen im Schloss präsentieren möchte. Weitere 11 000 Quadratmeter sind als Veranstaltungsfläche reserviert.

Was verlangt Berlin dafür, dass es sich aus dem Humboldt-Forum zurückzieht?

Berlin verlangt dem Vernehmen nach bis zu 83 Millionen Euro. Das entspricht den 32 Millionen Euro für den Bau des Schlosses und den 51 Millionen Euro für das Grundstück. Es ist durchaus denkbar, dass das Land Kompromisse eingeht.

Worauf muss Berlin im Fall eines Ausstiegs verzichten?

Im Gespräch ist, dass Berlin auf die Nutzung der 4 000 Quadratmeter durch die ZLB verzichtet. Die Humboldt-Uni kann möglicherweise auch bei einem Ausstieg des Landes im Schloss verbleiben. Allein wegen des namentlichen Bezuges zum Humboldt-Forum wird man auf Seiten des Bundes nur ungern auf die Humboldt-Uni verzichten.

Welchen Vorteil hätte Berlin bei dem Ausstieg aus dem Projekt?

Berlin könnte Mittel im Wert von bis zu 83 Millionen Euro zurückerhalten. Zugleich würde das Land das Geld für die erstmalige Einrichtung der Flächen und den künftigen Unterhalt einsparen.

Was würde ein Rückzug des Landes Berlin für den Schlossbau bedeuten?

Der Weiterbau wäre bei einem Rückzug nicht in Gefahr. Denn klar ist, dass es einen Rückzug des Landes Berlin nur dann gibt, wenn der Bund dem zustimmt. Das wird er nur dann machen, wenn der Weiterbau durch eigene Mittel gesichert ist. Das Land Berlin ist vertraglich gebunden, seine Leistungen zu erbringen. Sinnvoll ist ein Ausstieg für den Senat nur dann, wenn das Land Berlin eine Gegenleistung vom Bund erhält.

Wie groß ist die Chance, dass der Bund Berlin ausbezahlt?

Das gilt als eher unwahrscheinlich. Der Bund erbringt bereits eine Menge Leistungen, zum Beispiel bei der Sanierung der Museumsinsel. Wichtige Projekte wie der Umzug des Alliiertenmuseums von Dahlem zum Flughafen Tempelhof sind noch geplant.

Wer könnte die freiwerdenden Flächen im Humboldt-Forum nutzen?

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz könnte die freiwerdenden Flächen aufgrund ihrer reichhaltigen Sammlungen bespielen.

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