„Komm‘ im Bentley und male nachts die U-Bahn, ein Millionär, der nie schläft, muss was zu tun haben“, heißt es in seiner Single „Dieser Boy”, die Anfang September 2018 veröffentlicht wurde. In Deutschlands Rapper-Szene hat er schon Kult-Status: Frank „Fler” White, bei vielen vielleicht einfach unter dem Namen „Fler” bekannt.

Patrick Losensky - sein bürgerlicher Name - ist 36 Jahre alt und mag das Besprühen von Zügen. Auf seinem Youtube-Kanal mit rund 300.000 Abonnenten lud er davon ein Video hoch. In diesem rappt der Berliner Musiker und Unternehmer vermummt in einem U-Bahntunnel, während im Hintergrund weitere Vermummte einen BVG-Wagen mit Graffitis besprayen.

Sprayercrew „Damagers” namentlich genannt

Die vom Landeskriminalamt beobachtete Sprayercrew „Damagers” wird zudem im Titel des Videos aufgeführt.

Vergangenen Donnerstag, gut sechs Monate nach dem Upload, gab die Polizei Berlin auf Twitter bekannt, dass sie zusammen mit einer SEK-Einheit zwei Wohnungen in Steglitz und Zehlendorf durchsucht haben. Grund dafür seien „Ermittlungen gegen eine seit mehreren Jahren agierende Sprayergruppierung” gewesen.

Losensky gab sogar noch am selben Tag über sein Instagram-Profil zu, dass es sich unter anderem um seine Wohnung handelt, in die das Sondereinsatzkommando gestürmt ist. Um 6:20 Uhr haben die Beamten den Rapper geweckt, sagt er. „Es passierte so schnell, dass ich noch im Halbschlaf war und schon irgendwelche SEK-Beamten in meinem Genick hatte (...) die haben dann halt erzählt, dass die meine Wohnung durchsuchen möchten, aufgrund einer Sachbeschädigung, weil sie ein Musikvideo von mir gesehen haben”, so Fler.

Sondereinsatzkommando (SEK) gerechtfertigt?

Es scheint so, als ob sich der Rapper wundere. In einem Musikvideo wird ja in der Regel geschauspielert. Oft werden auch geplante und genehmigte Aktionen aufgenommen, wie zum Beispiel eine total krasse Sprayaktion auf Züge. Dass die Polizei die Wohnung eines Musikers stürmt, weil sie jenes Video gesehen hat, lässt darauf schließen, dass die Spray-Aktion von Fler nicht genehmigt, sondern illegal vonstattenging. Oder, dass die Polizei vielleicht ein ganz anderes Anliegen hatte.

Für ein schwerbewaffnetes Sondereinsatzkommando nennt die Gewerkschaft der Polizei (GdP) auf ihrem Präventionsportal folgende Beispielszenarien: Geiselnahmen, Amokläufe, Entführungen, Erpressungen, Terrorismusbekämpfungen, Suizidversuche und bei Zugriffen im Bereich des Rauschgift- und Waffenhandels.

Ob das SEK-Stürmen von Losenskys Wohnung eine der aufgelisteten Präventionsbegründungen beinhaltete, bleibt ein Geheimnis.

Frank „Fler” White bezieht Stellung

Losensky bezog auf dem Rap-Portal „Hip-Hop-de” Stellung. Er verstehe nicht, warum man seine Wohnung wegen eines Verdachts auf Sachbeschädigung gestürmt habe. Er wird deutlicher: „Ich glaube, man wollte mir für meine Ansagen zum Thema 'Zeugenschutz für Bushido' mal einen Denkzettel verpassen. Ich werde das Verfahren abwarten und gucken, was auf mich zu kommt."

Losensky hatte ein Video von seinem ehemaligen Rapper-Freund Anis Ferchichi („Bushido”) hochgeladen, wie er mit zwei Personenschützern aus einem Auto aussteigt. Ferchichi befindet sich derzeit in einem Rechtsstreit mit seinem ehemaligen Kumpel und dem mutmaßlichen Chef eines kriminellen Clans Arafat Abou-Chaker (42). Losensky hatte Ferchichis Nähe zum Landeskriminalamt kritisiert:

Geht es um den Fall Bushido vs. Abou-Chaker?

In Losenskys Song „Gegenwart” heißt es:  "Das B auf deinem Hals (Anm. der Red. Ferchichi hat ein Tattoo mit dem Buchstaben „B” auf seinem Hals), ja es steht für V-Mann (Anm. der Red. Bezeichnung für Personen, die der Polizei Hinweise zur Verhinderung und Aufklärung von Straftaten geben)".

Ferchichis Frau Anna-Maria, Schwester von Pop-Sängerin Sarah Connor, hatte zuletzt im Februar ihre Bedenken geäußert, ihre gemeinsamen Kinder mit Bushido seien in Gefahr, vom sogenannten „Abou-Chaker-Clan” entführt zu werden. Dass man in dem Fall mal mit der Polizei redet, erscheint Vielen vielleicht sogar als sinnvoll.