Berlin - Christoph Reschke lässt keine Zweifel aufkommen. „Dass wir 149 Meter bauen, würde ich ausschließen wollen“, sagt er am Montag bei der Vorstellung des Entwurfs für das erste neue Hochhaus auf dem Alexanderplatz. Nein, der Geschäftsführer des US-Investors Hines will nicht auf einen Meter Hochhaus verzichten. 150 Meter soll sein Hochhaus erreichen. So wie es der Masterplan für den Alexanderplatz vorsieht, der vom Berliner Architekten Hans Kollhoff stammt.

Hans Kollhoff hatte 1993 den städtebaulichen Wettbewerb für die Gestaltung des Alexanderplatzes gewonnen. Danach sollten rund um den Alexanderplatz zehn 150 Meter hohe Turmhäuser entstehen. Alle Grundstückseigentümer, die sich damals an dem Wettbewerb beteiligten, erhielten mit dem Entwurf das Recht, einen gleich großen Turm zu bauen. Das Problem dabei war nur, dass viele neue Türme anstelle von Bauten aus der DDR-Zeit errichtet werden sollten. Die Grundstückseigentümer jedoch sanierten viele Gebäude, wie das Hotel Park Inn oder das ehemalige Haus der Elektroindustrie, worauf sich die Abrisspläne erledigten. Und mit ihnen die Neubaupläne für die Hochhausvision Kollhoffs. So vergingen mehr als 20 Jahre, ohne dass es einen konkreten Plan für ein Hochhaus gab.

Blockade aufheben

Diese städtebauliche Blockade soll jetzt überwunden werden. Die Koalitionsfraktionen von SPD und CDU wollen den Masterplan von Kollhoff dafür überarbeiten. „Der Senat wird aufgefordert, die Planung am Alexanderplatz zu überprüfen und in den Bereichen, wo (...) Investitionsblockaden und Stagnation entstanden sind, angepasste Konzepte in Varianten zu erarbeiten“, heißt es in einem Antrag für das Abgeordnetenhaus, den die SPD-Fraktion beschlossen hat. Die CDU dürfte dem Antrag ebenfalls zustimmen. Sie hat bereits Zustimmung signalisiert. Einzelne Bestandsgebäude sollen zudem auf ihre „Denkmalwürdigkeit“ überprüft werden, heißt es in dem Antrag. Das deutet ein Abkehr von der Stadtentwicklungspolitik der 1990er-Jahre an, als Bauten aus der DDR-Zeit sehr schnell der Abrissbirne preisgegeben wurden.

Zwar heißt es in dem Antrag der SPD, dass der Alexanderplatz „weiterhin ein Hochhausstandort“ bleiben soll, doch beschreiben die Genossen selbst, dass auf dem Alexanderplatzes „lediglich auf dem Grundstück des Investors Hines“ ein Hochhaus realisiert werden soll. Das Hines-Areal ist direkt auf dem Alexanderplatz das einzige freie Baugrundstück. Das zweite Baugrundstück für ein Hochhaus befindet sich neben dem Einkaufszentrum Alexa. Dort gibt es bereits Interessenten für eine Bebauung, berichtete Senatsbaudirektorin Regula Lüscher am Montag. Ob dort ein Hochhaus errichtet werden soll, ist aber umstritten. Die Linke lehnt ein Hochhaus an dieser Stelle ab, weil dadurch die Sicht auf den Fernsehturm und das Haus des Lehrers – je nach Blickrichtung – verstellt würde. Die SPD hat auf die Kritik reagiert. In ihrem Antrag fordern die Sozialdemokraten, dass die Bebauung neben dem Alexa „in Bezug auf die Sichtachse“ zu den beiden Bauwerken überprüft wird.

Möglich wird die Überarbeitung des Masterplans, weil die Grundstückseigentümer am Alexanderplatz in vielen Fällen nicht innerhalb von sieben Jahren mit dem Bau begonnen haben. Sie haben damit das Recht auf eine Entschädigung verwirkt. Die Überarbeitung des Masterplans soll zusammen mit Hans Kollhoff erfolgen, sagte Senatsbaudirektorin Lüscher. Das letzte Wort haben aber die Abgeordneten. Das Parlament muss letztendlich entscheiden, was aus dem Alexanderplatz wird.

Kritik von den Grünen

Etwas überraschend ist, dass die konkrete Planung für das Hines-Hochhaus nicht erst nach der Überarbeitung des Masterplans voran- getrieben werden soll, sondern parallel dazu. Das stößt bei den Grünen auf Kritik. „Ohne Not und ohne die versprochene Diskussion über den Masterplan Alexanderplatz will der Senat den Bebauungsplan für den sogenannten Hines-Tower ändern“, bemängelt Antje Kapek, Fraktionsvorsitzende und stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Grünen.

CDU-Fraktionsvize Stefan Evers verteidigt dieses Vorgehen. Es werde bei der Überarbeitung des Masterplans ja nicht der Alex als Hochhausstandort infrage gestellt. „Unter breiter öffentlicher Beteiligung wollen wir diskutieren, welche Weiterentwicklungsmöglichkeiten“ es gebe. „Die städtebauliche Gesamtentwicklung“ dürfe dadurch allerdings nicht beeinträchtigt werden. Es wäre fatal, die Hochhausplanung in einem Moment infrage zu stellen, in dem mit Hines der erste Investor ein Hochhaus errichten wolle. „Gleichzeitig ist es durchaus angebracht, die Denkmalwürdigkeit einzelner Bestandsbauten zu prüfen“, räumt auch Evers ein.