Kult-Sänger und Ur-Berliner Frank Zander gab für seine Fans via Facebook-Steam ein Konzert. 
Foto: Markus Wächter

Berlin - Frank Zander hielt natürlich Wort. Der 78-Jährige Kultsänger und Ur-Berliner hatte versprochen, am Sonnabend um 18.30 Uhr die Vereinshymne von Hertha BSC „Nur nach Hause geh`n wir nicht“ per Video live auf Facebook zu singen. Als Mutmacher. Es war genau die Anstoßzeit für das seit vielen Wochen ausverkaufte Fußball-Derby zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union im Olympiastadion. 75.000 Fans wären zu normalen Zeiten in die Arena gepilgert. Doch die Zeiten sind nicht normal und äußerst kompliziert angesichts der schlimmen Corona-Krise. An Fußballspielen ist nicht zu denken.

Als Zander Online ging und mit seiner Gitarre mit dem Hertha-Logo in seiner eigenen kleinen Kneipe saß, die er sich schon lange in seiner Altbauwohnung eingerichtet hatte, brach kurzzeitig die Verbindung zusammen – zu viele Leute hatten zugeschaut und zugehört. Der Sänger hatte zwei Tage zuvor bereits den Text der Hymne leicht umgedichtet und zelebrierte nun mit seiner Reibeisenstimme „Nur nach draußen geh`n wir nicht“.

Frank Zander appelliert an Fans, soziale Kontakte zu meiden

Es war ein eindringlicher Appell an alle seine Fans, die Ansagen der Regierung und des Berliner Senats einzuhalten, soziale Kontakte zu vermeiden und vernünftig zu sein. Den Anstoss zur Textänderung hatte Zander durch Holger Lachmann, den Musikchef von Antenne Brandenburg bekommen. Auch Hertha BSC wandte sich an das langjährige Vereinsmitglied mit der Bitte, die Aktion der Profis zu unterstützen, die auch die Fußball-Anhänger unter dem Motto: „Wir bleiben zu Hause“ aufrufen, um so zur Meisterung der Krise beizutragen. Als erster Spieler hatte sich Vladimir Darida an die Hertha-Fans gewandt.

Dabei steht die komplette Mannschaft derzeit unter häuslicher Quarantäne, da in der vorigen Woche ein Profi positiv auf das Virus getestet worden war. Alle anderen Tests fielen negativ aus. Die Spieler arbeiten nun individuell an ihrer Kondition, haben alle sogenannte „Spinning-Bikes“ zu Hause.

Zander, der die Vereinshymne zum ersten Mal im März 1993 live im Olympiastadion sang – es war das Halbfinale im DFB-Pokal zwischen den Hertha-Amateuren (den Hertha-Bubis) und dem Chemnitzer FC (2:1), nahm während seines Videoauftritts einen tiefen Schluck Bier – schließlich ist er auch „Kiezkneipen-Botschafter“. Nachdem er die Hymne gesungen hatte, legte er nach mit einer emotionalen Zugabe. Er sang das bekannte Lied von Hildegard Knef „Heimweh nach dem Kurfürstendamm“.

Frank Zander macht seinen Fans Mut

Das Echo war groß. Nur 50 Minuten nach dem Facebook-Auftritt gab es 7.089 Aufrufe auf der Seite und 1.113 Likes. Am Sonntagvormittag waren es schon 24.900 Aufrufe. Die Antworten und Dankesworte an Zander kamen aus ganz Deutschland, etwa aus Hannover, Hamburg, Bielefeld, Köln, Halle/Saale oder Leipzig. Und einige auch aus Wien. Der Tenor: Lieber Frank! Du bist ein toller Mensch mit großem Herzen. Du machst uns Mut!

Ein Follower bat um ein neues Autogramm, da er sein altes Autogrammfoto aus den 90er Jahren (!) verschenkt hatte.

Frank Zander sagte der Berliner Zeitung: „Das war eine sehr emotionale Sache, auch für mich. Ich freue mich über die Resonanz, hoffentlich halten sich viele Leute daran und bleiben tatsächlich zu Hause. Irgendwann werde ich wieder live im Olympiastadion auftreten können.“

Die Änderung des Textes der Hertha-Hymne hatte in Corona-Zeiten ein großes Echo ausgelöst. Sohn Marcus Zander, Chef des Labels  „Zett-Records“, berichtete von Nachrichten in vielen deutschen Tageszeitungen, auch auf Sky und Eurosport und selbst „Radio Szczecin“ in Polen nahm sich dem Thema an.

Nun bekam Zander sogar noch eine neue Aufgabe, die er sofort erfüllte. Der Sänger unterhält schon lange gute Beziehungen zum „Spargelhof Kremmen“, nahe Berlin. Der Chef des Hofes, Malte Voigts, unterstützt Zander bei der Ausrichtung der jährlichen großen Weihnachtsfeier für Obdachlose im Hotel Estrel in Neukölln. Voigts hatte nun im Landwirtschafts-Ministerium zu tun und wurde von Bundesministerin Julia Klöckner gebeten, Kontakt zu Zander herzustellen. Die Ministerin fragte an, ob der Sänger ein kleines Video gegen die Hamsterkäufe erstellen kann.

Kein Problem. Zander eindringlich und drastisch im Video, dass der Ministerin schon vorliegt: „Leute, bitte unterlasst diese bescheuerten Hamsterkäufe! Ihr habt ja nun Toilettenpapier bis zur Decke. Wollt ihr alle Hersteller von Toilettenpapierröllchen zu Milliardären machen? Nein, haltet inne! Es ist genug da. Ich meine, Mehl lange aufzuheben, das gibt doch Würmer, Mehlwürmer. Kennt ihr doch. Kauft nur das, was ihr braucht! Alles andere ist bescheuert. Glaubt mir. Euer Frank Zander!“