Mehrere Hundert Menschen haben am Sonnabend im Stadtzentrum von Frankfurt (Oder) gegen einen Neonazi-Aufmarsch demonstriert. Rund 500 von ihnen blockierten nach Polizeiangaben die geplante Strecke, so dass der Aufmarsch der rechtsextremen NPD mit knapp 100 Teilnehmern gestoppt wurde. Da der Protest friedlich war, schritt die Polizei nicht ein. Sie war mit einem massiven Aufgebot vertreten, um ein unmittelbares Aufeinandertreffen beider Lager zu vermeiden. Nach mehreren Stunden traten die Rechten nach und nach die Heimreise an.

„Wir haben ein klares Zeichen gesetzt“, sagte ein Sprecher des Bündnisses „Kein Ort für Nazis in Frankfurt (Oder)“. Bereits im vergangenen März hatten Hunderte Oderstädter einen Aufmarsch der NPD verhindert. Das Bündnis hatte erneut zum Gegenprotest aufgerufen und wird von etwa 80 Organisationen und ebenso vielen Einzelpersonen unterstützt. Dazu zählen unter anderem die Deutsch-Polnische Gesellschaft Brandenburg, der Allgemeine Studentische Ausschuss (AStA) der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), zahlreiche Parteien und auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostbrandenburg.

„Freie Fahrt der Freundschaft mit Polen“

„Wir wollen in Brandenburg keine Nazis, das müssen wir immer wieder dokumentieren“, sagte Finanzminister Helmuth Markov (Linke) bei der Gegendemonstration. Oberbürgermeister Martin Wilke (parteilos) betonte, Frankfurt stehe für Toleranz und grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Die Europa-Universität Viadrina mit Studenten aus über 80 Ländern sei dafür ein Beispiel. Auch deren Präsident Gunter Pleuger beteiligte sich an dem Protest.

Zu der Demonstration waren auch Teilnehmer und Journalisten aus Polen angereist. „Grenzen dicht für Nazis. Freie Fahrt der Freundschaft mit Polen“ sowie „Nieder mit den Nazis“, hieß es auf Plakaten. Auch im benachbarten Slubice sollte protestiert werden gegen den Aufmarsch.

Die Polizei erteilte sieben Platzverweise wegen Verstoßes gegen das Vermummungsverbot, zudem wurden 13 Anzeigen wegen Sachbeschädigung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen erstattet. Die Beamten stellten unter anderem Sturmmasken, Stangen, Wasserbomben und eine selbstgebaute Zwille sicher. (dpa/BLZ)