Das ist ein trauriger Tag für die SPD. Noch einer. Franziska Giffey steht nicht als Kandidatin für den Vorsitz der Bundespartei zur Verfügung. Die frühere Bürgermeisterin von Neukölln und jetzige Bundesfamilienministerin beendet damit alle Spekulationen, dass sie möglicherweise Nachfolgerin von Andrea Nahles werden könnte.

Die Entscheidung ist so naheliegend und konsequent wie schade. Sie ist naheliegend, weil sie erkannt hat, dass sie vor dem 2. September, dem Stichtag für die Vorsitzendenkandidaten für die SPD, wohl keine Nachricht von der Freien Universität bekommen wird. Dort wird immer noch ihre Doktorarbeit von 2010 überprüft, die unter Plagiatsverdacht steht.

Es könnte also sein, dass sie ihren akademischen Titel abgeben muss. Mit diesem möglichen Makel und der Aussicht auf eine zeitlich nicht eingrenzbare Hängepartie will sie nicht in eine Abstimmung über den Parteivorsitz gehen.

Dass sie auch noch ihren Posten in der Regierung aufgeben will, ist nur konsequent

Auch der Zeitpunkt leuchtet ein. Spätestens als die Kandidatur der zweifachen Bundespräsidentschaftskandidatin Gesine Schwan zusammen mit dem norddeutschen Lautsprecher Ralf Stegner bekanntwurde, musste auch Giffey sich entscheiden. Sofort. Das hat sie getan.

Dass sie auch noch ihren Posten in der Regierung aufgeben will, falls die FU ihr den Doktortitel aberkennen sollte, ist da nur konsequent. Und doch ist diese Entscheidung schade. Franziska Giffey ist mit ihrer klaren Haltung, ihrer zupackenden Art und ihrem einnehmenden Auftreten ein politisches Talent. Das hat sie in Neukölln als Bildungsstadträtin und Bürgermeisterin bewiesen, das beweist sie jetzt als Bundesfamilienministerin.

Mal sehen, wie sich ihre SPD entwickelt – vielleicht ist Franziska Giffeys Karriere doch noch nicht beendet.