Franziska Giffey (l.) und Raed Saleh besuchten ein BMW-Werk in Spandau. Saleh blieb nur der hintere Sitz des Motorrads - symptomatisch. 
Foito: Berliner Zeitung/Markus Wächter 

Berlin - Am Ende blieb für Raed Saleh nur noch der Sozius, so nennt man auf dem Motorrad den Platz hinter dem Fahrer. Denn vorne am Lenker saß bereits Franziska Giffey. Giffey ist eine Sozialdemokratin mit Führungsanspruch, ehemalige Neuköllner Bezirksbürgermeisterin, amtierende Bundesfamilienministerin und bald vielleicht auch SPD-Landesvorsitzende in Berlin. In einer Doppelspitze mit dem SPD-Fraktionschef Raed Saleh, gleichberechtigt, nebeneinander.

Und deswegen macht sich ein Foto mit ihm in der Rolle des Beifahrer natürlich nicht gut. Saleh winkte ab. Die Szene am Freitagmorgen im Spandauer BMW-Motorradwerk in Spandau ist eine kleine Randnotiz der Wahlkampftour der angehenden Berliner SPD-Doppelspitze. Und doch lässt sie tief blicken. Saleh hatte gehofft, in der hellerleuchteten Fabrik an der Seite Giffeys ein wenig aus dem schlechten Licht zu kommen, in dem er seit einigen Wochen steht. Salehs Probleme begannen vor zwei Wochen mit seinem Gastbeitrag für die Berliner Zeitung.

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Darin behauptete Saleh vor dem Hintergrund der vielkritisierten Ministerpräsidentenwahl von Erfurt, dass nur „die Parteien der linken Mitte uneingeschränkt zur Demokratie und zum Grundgesetz“ stehen – CDU und FDP also nicht. Ein paar Tage später setzte sich Saleh in die RBB-Satiresendung „Chez Krömer“ und hinterließ bei vielen Zuschauern ein Gefühl des Fremdschämens – ein Gefühl, das auch etliche Sozialdemokraten befiel, wie die Berliner Zeitung aus Gesprächen erfuhr.

Franziska Giffey und Raed Saleh sind Favoriten bei der SPD 

Die Doppelspitze Giffey/Saleh wird noch einige gute Auftritte brauchen, damit sie im Mai auf dem SPD-Landesparteitag gewählt werden kann. In den kommenden Tagen und Wochen soll es weitere gemeinsame Veranstaltungen geben.

Nun ist es doch eher ungewöhnlich, dass vor der Wahl eines (oder zwei) Landesvorsitzenden regelrecht Wahlkampf gemacht wird. Als die CDU im vergangenen Frühjahr zwischen Monika Grütters und Kai Wegner entscheiden musste, gab es Regionalkonferenzen: Beide Kandidaten sprachen in den Kreisverbänden vor. Um Bilder mit Deutungsspielraum ging es dabei eher nicht. In der CDU war damals Kai Wegner Favorit, am Ende gewann er erwartet.

Ist da noch Platz hinter Franziska Giffey (l.)? Raed Saleh überlegt.
Foto: Markus Wächter 

Bei der SPD wird das Duo Giffey/Saleh favorisiert – was nach Meinung vieler Sozialdemokraten auch an den mangelnden Alternativen liegt: Die außerhalb der Partei völlig unbekannten Angelika Syring und Ulrich Brietzke, die ebenfalls als Doppel antreten wollen, werden wohl nicht gefährlich. Gefährlicher dürfte das Gefälle innerhalb des Favoriten-Duos sein.

Während der so patent und zupackend wirkenden früheren Neuköllner Bürgermeisterin und Umfragekönigin Giffey ein Ergebnis von mehr als 90 Prozent zugetraut wird, ist Salehs Position in der SPD deutlich schwächer. Salehs Durchsetzungswille im Kreisverband Spandau und in der Fraktion im Abgeordnetenhaus fordert vielen Respekt ab, stößt aber auch viele ab. Der Unmut ist so groß, dass Kritiker dazu raten, das Doppelspitzenexperiment in dieser Konstellation doch noch aufzugeben.

Besuch bei BMW als Signal an die Arbeiterschaft 

Einer von Salehs schärfsten Kritikern ist Lars Rauchfuß, Chef des mächtigen Kreises Tempelhof-Schöneberg, dem bekanntlich auch der noch amtierende SPD-Vorsitzende (und Regierende Bürgermeister) Michael Müller angehört, der im Mai abgelöst werden soll. Im Januar gab Müller seinem Nachfolger-Duo seinen Segen. Ob er anders gekonnt hätte, ohne die Partei in heftige Grabenkämpfe zu stürzen und ihr so schweren Schaden zuzufügen, bleibt offen. Rauchfuß jedenfalls glaubt, dass Saleh nicht einmal 50 Prozent holt, und fürchtet um den Ruf der SPD.

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Er rät zum radikalen Wechsel. „Franziska Giffey hat die Unterstützung des Landesverbandes für ihre Kandidatur, Raed Saleh fehlt diese Unterstützung“, sagte Rauchfuß der Berliner Zeitung. „Es sollte deshalb Gespräche geben, einen mehrheitsfähigen Vorschlag zu verabreden.“ Das sei auch ein Teil „Führungsverantwortung, in einer Partei die Stimmung in der Mitgliedschaft wahr und ernst zu nehmen.“

Das Duo muss also auch innerparteilich noch werben und überzeugen. Deswegen beließen es Giffey und Saleh am Freitagmorgen nicht bei Bildern.

Der Besuch im Motorradwerk sei ein Signal, sagte Giffey, ein Signal dafür, „dass die SPD eine Partei der Arbeit ist, eine Partnerin der Wirtschaft“. Auf die Frage, ob sie an Saleh als Co-Partner festhalten wolle, sagte sie: „Wir sind doch hier nicht bei der Partnervermittlung.“