Französische Einflüsse in Berlin: Aus der Wüste Moab wurde Moabit

Berlin - Frankreich und Franzosen in Berlin – ja klar, das gab es schon immer. Spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Franzosen – ob gewollt oder nicht – in der Stadt präsent. Die Grand Nation war für fast 50 Jahre Besatzungsmacht geworden – rund 3.000 Soldaten waren in der Westhälfte der Stadt stationiert – Wedding und Reinickendorf hießen „ihre“ Bezirke.

Am Kurt-Schumacher-Damm waren die Franzosen stationiert. Quartier Napoleon hieß das Kasernengelände, dass mittlerweile als Julius-Leber-Kaserne von der Bundeswehr genutzt wird. Und alteingesessene West-Berliner erinnern sich sicherlich an die alljährlichen Herbstmanöver, bei denen die Franzosen mit Panzern und anderem Gerät durch den Tegeler Forst rumpelten. Zum Juli 1994 räumten die Franzosen ihre Kasernen – so wie es der Zwei-plus-Vier-Vertrag vorgesehen hatte.

Aber Frankreich und Berlin, das ist eine Geschichte, die natürlich schon viel viel weiter zurück reicht. Am 29. Oktober 1685 erließ Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg das Edikt von Potsdam. Das ermöglichte tausenden Hugenotten, die wegen ihres protestantischen Glaubens in Frankreich verfolgt wurden, die Ansiedlung in Brandenburg und Berlin. Rund 20.000 Menschen sollen es gewesen sein, die hier eine neue Heimat fanden und denen mit Steuererlassen und Zollfreiheit beim Start in ein neues Leben geholfen wurde.

Hugenotten belebten die Berliner Wirtschaft

In Berlin gibt es jede Menge Spuren der Einwanderer, die damals, vor mehr als 300 Jahren, aus Frankreich kamen. So ist der Name des Stadtteils Moabit auf die Hugenotten zurückzuführen. Die kamen 1716 in die verödete Gegend im Norden Berlins und nannten sie nach der Wüste Moab – daraus wurde später Moabit. Die Hugenotten waren es auch, die die heutige Hauptstadtregion wirtschaftlich wieder nach vorne brachten.

Auch der Name des Stadtteiles Tempelhof geht übrigens auf französische Ursprünge zurück. Denn dort ließen sich im 13. Jahrhundert französische Tempelritter nieder. Und auch der Ortsteil Französisch Buchholz ist auf die Hugenotten zurück zu führen. Ab 1699 hatten eingewanderte Hugenotten die dort seit dem 30-jährigen Krieg brachliegenden Felder wieder bestellt.

40 Prozent der Hugenotten lebten damals in der sogenannten Friedrichstadt, rund um den Gendarmenmarkt. Und deshalb gibt es dort auch einen französischen Dom. Der wurde von 1701 bis 1705 nach Plänen von Louis Cayart erbaut. Vorbild war die Hauptkirche der französischen Hugenotten in Charenton bei Paris. Im Französischen Dom ist heute auch ein Hugenottenmuseum untergebracht, das 1935 eröffnet wurde.

Quadriga als Beute

Auch der Pariser Platz, der Name lässt es natürlich vermuten, hat etwas mit unseren Nachbarn zu tun. 1734 wurde er unter der Bezeichnung Quaree angelegt. 1799 wurde dort mit dem Bau des Brandenburger Tores begonnen.

1806, als Napoleons Truppen siegreich in Berlin eingezogen waren, wurden von den Franzosen viele Kunstschätze eingesammelt, die als Beute nach Frankreich gebracht werden sollten. Darunter war auch die Quadriga, die am 21. Dezember 1806 auf ein Spreeschiff verladen wurde. 1813, nach dem Sieg über Napoleon, wurde das Quaree in Pariser Platz umbenannt. Ein Jahr später kehrte dann auch die Quadriga endlich wieder an ihren angestammten Platz auf dem Brandenburger Tor zurück.

Am Pariser Platz steht auch die französische Botschaft. Schon in den 30er-Jahren des 18. Jahrhunderts wohnten dort französische Gesandte, die sich in einem Palais niedergelassen hatten, das von Napoleon III. 1860 gekauft worden war.

In den letzten Kriegstagen, am 2. Mai 1945, wurde das Gebäude bei Kämpfen schwer zerstört und 1959 abgerissen. Nach der Wende bekam Frankreich das Grundstück in bester Lage zurück. Von 1999 bis Oktober 2002 entstand dann auf dem Areal die neue französische Botschaft.