Berlin - Erneut hat es in Berlin einen Mord gegeben. In Heiligensee wurde am Donnerstagnachmittag eine 35-jährige Frau umgebracht. Gegen 15 Uhr fanden Polizisten die tote Frau in einer Wohnung am Dambockweg. Nach Angaben von Ermittlern wurde auch ein gefesseltes Kind entdeckt. Es soll aber weitgehend unverletzt sein. „Wir vermuten eine Beziehungstat“, sagte ein Polizeisprecher lediglich.

Nähere Angaben machte die Polizei nicht, auch nicht darüber, wer die Polizei alarmiert hat. Zur Todesursache wollte sich die Polizei ebenfalls nicht äußern. Die Frau war nach Angaben von Beamten „übel zugerichtet“, unter anderem durch Messerstiche.

Bei dem Verdächtigen, den die Polizei schnell ermitteln konnte, handelt es sich um den 32-jährigen Edin A. aus Bosnien-Herzegowina. Er ist der frühere Lebensgefährte der Toten und hat nach Informationen der Berliner Zeitung keinen festen Wohnsitz.

Täter auf der Flucht

Die Polizei sperrte das Wohngebiet weiträumig ab und forderte ein Spezialeinsatzkommando (SEK) an. Zur Sicherung des SEK-Einsatzes stellte die Feuerwehr an der Ecke Dambockstraße/An der Wildbahn ein größeres Aufgebot an Rettungswagen bereit.

Sogar ein Räumpanzer wurde aufgefahren, um in der weitläufigen Siedlung die SEK-Kräfte zu unterstützen. Die schwer bewaffneten SEK-Beamten durchsuchten die Gegend und auch das Wohnhaus, wo sich die Tat ereignete.

In dem Wohnhaus befindet sich unter anderem ein Diakoniezentrum, das nach eigener Darstellung Menschen „in jeder Lebenssituation ein Zuhause“ bietet. Mit Rammen brachen die Beamten in den verwinkelten Fluren des Hauses mehrere Wohnungen auf. In der Wohnung, in der die tote Frau gefunden wurde, sollen auch Waffen sichergestellt worden sein.

Bis zum späten Abend war Edin A. noch nicht gefasst. Die Polizei startete eine Großfahndung. Der Flüchtige wurde als hoch gefährlich eingestuft, er hat wahrscheinlich eine Schusswaffe bei sich.

Wegen der Größe des Einsatzes und der Gefahr, die vom Täter ausgeht, gründete die Polizei eine „Besondere Aufbauorganisation“ (BAO) aus mehreren Bereichen des Landeskriminalamtes und der örtlichen Polizeidirektion. Eine BAO wird nur bei sogenannten „besonderen Gefahrenlagen“ gegründet.

Der vierte Mord in vier Tagen

Die Bluttat am Donnerstagnachmittag in Heiligensee war in Berlin der vierte Mord in vier Tagen: In der Nacht zum Sonntag war im Volkspark Friedrichshain der 34-jährige italienische Staatsangehörige Stefan Unterweger durch mehrere Messerstiche getötet worden. Der oder die Täter sind noch nicht gefasst. Am Donnerstag prügelten unbekannte maskierte Täter in Britz den 43-jährigen Ali O. tot. Es soll, wie berichtet, um 100.000 Euro Schulden gegangen sein. Er hatte das Geld verliehen und darauf gedrängte, es wiederzubekommen. In der Nacht zum Donnerstag wurde im Reinickendorfer Ortsteil Waidmannslust die 19-jährige Lisa P. erstochen.