Hunderte Menschen haben in Berlin-Kreuzberg einen rechten „Frauenmarsch zum Bundeskanzleramt“ blockiert. Bei dem Aufeinandertreffen des Marsches mit Gegendemonstranten sei es am Samstag zu mehreren Straftaten gekommen, teilte die Polizei am Sonntag mit. Bei Rangeleien zwischen Gegendemonstranten und Polizisten wurden sieben Polizisten leicht verletzt, zwei konnten ihren Dienst nicht fortsetzen. Gezielte Angriffe auf Polizisten wie Flaschen- oder Steinwürfe habe es aber nicht gegeben.

Insgesamt nahm die Polizei die Personalien von 63 Menschen auf, 13 mussten dafür mit aufs Revier. Die Fahnder ermitteln in Folge des Marsches und der Blockade in 73 Fällen wegen Verstößen gegen das Versammlungsrecht, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Landfriedensbruch und Körperverletzung.

Gut doppelt so viele Gegendemonstranten

Der Polizei zufolge nahmen an dem von AfD-Mitglied Leyla Bilge angemeldeten „Frauenmarsch“ rund 500 Menschen teil. Bilge, die etwa im vergangenen Herbst bei einer Pegida-Veranstaltung auftrat, wollte mit dem „Frauenmarsch“ nach eigenen Angaben für Frauenrechte und gegen die „fatale Flüchtlingspolitik der Altparteien“ demonstrieren. Die Gegendemonstranten warfen den Initiatoren Rassismus unter dem Deckmantel des Feminismus vor.

Am Nachmittag hatten sich zunächst friedlich die Teilnehmer des Marsches und der insgesamt vier Gegendemonstrationen in Kreuzberg versammelt. Auf der Friedrichstraße am Checkpoint Charly blockierten die Gegendemonstranten dann den Marsch. Die Polizei, die nach eigenen Angaben mit rund 900 Beamten im Einsatz war, sprach zu diesem Zeitpunkt von bis zu 1500 Gegendemonstranten.

Auf deren Schildern war etwa zu lesen „Für Frauenrechte kämpfe ich nur ohne rechte Frauen“, „Nicht in unseren Namen. FCK AfD“ oder „Feminismus bleibt antirassistisch“. Auf Twitter postete etwa der Kreuzberger Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele ein Foto von sich und den Berliner Grünen-Politikerinnen Canan Bayram und Katrin Schmidberger und schrieb: „Gegen Rassismus und für Feminismus auf der Straße“.

Die AfD kocht

Auf der anderen Seite nahm am Marsch etwa Lutz Bachmann teil, Gründer des islamfeindlichen Bündnisses Pegida, und filmte die Veranstaltung mit seinem Handy. Auf Schildern der „Frauenmarsch-Teilnehmer“ stand etwa: „Meine Mutter ist die Sprache, mein Vater ist das Land. Für die Zukunft meiner Tochter leiste ich hier Widerstand.“ Viele Deutschlandfahnen waren zu sehen.

Polizisten stellten sich zwischen die Gruppen und versuchten, sie voneinander zu trennen. Da die Gegendemonstranten zwar als solche angemeldet waren, jedoch von der zugewiesenen Route abwichen und so das Versammlungsrecht des Marsches beeinträchtigten, versuchte die Polizei rund eine Stunde nach Beginn der Blockade, diese aufzulösen. Auf Videos im Internet waren Rangeleien und Wortgefechte zwischen Gegendemonstranten und Polizisten zu sehen.

Die AfD kritisierte die Blockade. Es sei „untragbar“, dass „linksextreme Randalierer“ mit Unterstützung linker Abgeordneter versucht hätten, „eine friedliche Demonstration mit Gewalt zu verhindern“, sagte Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus, Georg Pazderski.

Nach Absprache mit der Polizei erklärte Bilge den Marsch gegen 18.30 Uhr für beendet. Kurz darauf versammelten sich rund 300 Marschteilnehmer vor dem Kanzleramt, um die Abschlusskondgebung doch noch durchzuführen. Erneut gab es eine Gegenveranstaltung, die Polizei musste wieder beide Lager voneinander trennen. Dabei blieb es jedoch relativ ruhig. (dpa)