Wer dieser Tage ein Berliner Freibad besucht, sollte auf seine Sachen aufpassen. Oder darauf achten, wem man zu lange in die Augen schaut. Es kann schnell zur Prügelei kommen. Oder die Geldbörse ist weg. Aber in welchen Berliner Schwimmbädern kommt es zu den meisten Straftaten?
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Der FDP-Abgeordnete Marcel Luthe wollte jetzt von der Senatsinnenverwaltung wissen, wie viele Straftaten in den 62 Hallen- und Freibädern der Berliner Bäderbetriebe 2018 und in diesem Jahr angezeigt wurden. Innenstaatssekretär Aleksander Dzembritzki (SPD) schickte ihm die noch unveröffentlichte Auslistung.

Eigener Sicherheitsbericht der Bäderbetriebe gefordert

Demnach war der Spitzenreiter bei den Straftaten 2018 das Sommerbad Neukölln am Columbiadamm. Dort wurden 130 Straftaten angezeigt: unter anderem 14 Körperverletzungen, 40 Diebstähle und 67 „sonstige Straftaten“ wie zum Beispiel Hausfriedensbuch, Unterschlagung oder Diebstahl aus Kraftfahrzeugen auf dem Parkplatz vor dem Bad. In diesem Jahr – mit Stand 16. Mai – wurden im und am Sommerbad Neukölln 19 Straftaten angezeigt.

Die Innenverwaltung verweist darauf, dass Straftaten nach der Adresse des Tatortes erfasst werden. Diebstähle oder Prügeleien können sich also auch vor dem Eingang eines Bades ereignet haben. Luthe fordert deshalb, dass die Bäderbetriebe von selbst einen Sicherheitsbericht erstellen. „Nur durch transparente Darstellungen der Situation kann das Parlament darauf angemessen reagieren und die notwendigen Mittel im Haushaltsplan bereitstellen“, sagt er.

Bäderbetriebe setzen mehr Security-Mitarbeiter ein

Die Schwimmhalle im Europasportpark an der Paul-Heyse-Straße in Prenzlauer Berg nimmt den zweiten Platz ein: 123 Straftaten wurden an dieser Adresse angezeigt, darunter fünf Körperverletzungen, zehn Beleidigungen und zwölf Taschendiebstähle. In diesem Jahr gab es bis zum 16. Mai bereits 42 Straftaten.

137 Delikte waren es noch 2017 und hatten das Bad damals zum Spitzenreiter gemacht. Die Verringerung der Zahlen 2018 ist bemerkenswert, weil der Rekordsommer 2018 auch an der Paul-Heyse-Straße für besonderen Andrang sorgte. Laut Bädersprecher Matthias Oloew wurde aufgrund des Andranges die Zahl der Security-Mitarbeiter angepasst. „Seit 2018 haben die Bäderbetriebe ein geändertes Sicherheitskonzept“, sagt er. Genauer will er dazu nicht werden.

Oloew sieht die Zunahme der Straftaten im Zusammenhang mit dem Super-Sommer 2018, der für einen Besucherrekord sorgte. „In vielen Bädern verzeichneten wir nahezu eine Verdopplung der Besuchszahlen“, sagt er. Zum Beispiel zählte das Sommerbad Kreuzberg 2017 etwa 188.000 und 2018 etwa 330.000 Gäste.

In anderen Bädern scheint die Badewelt noch in Ordnung

Dieses Bad in der Prinzenstraße belegt Platz 3 in der kriminellen Badestatistik. Dort wurden 122 Taten erfasst – gegenüber 51 im Jahr davor. Zehn sind es in diesem Jahr. Im vergangenen Jahr wurden unter anderem 18 Diebstähle angezeigt, zehn Beleidigungen und 90 „sonstige Straftaten“. Platz 4 belegt das Sommerbad am Olympiastadion: 99 Straftaten wurden angezeigt, davon eine auffällig hohe Zahl von Taschendiebstählen (39) und sonstigen Diebstählen (15). Hinzu kamen unter anderem zwölf Körperverletzungen.

Etwas entspannter geht es inzwischen im Stadtbad Schöneberg zu: Bei der konstanten Zahl von etwa 350.000 Gästen sank die Zahl der erfassten Straftaten im vergangenen Jahr von 85 auf 56. In diesem Jahr gab es zwölf Straftaten.

In anderen Bädern scheint die Badewelt dagegen noch in Ordnung. Im Strandbad Grünau etwa wurden nur sechs Straftaten angezeigt, in Wendenschloss eine, im „Spucki“ in Lichterfelde und im Strandbad Weißensee gar keine.