Berlin - Zwei Tage nach dem verheerenden Feuer in einem Charterzug mit Fußballfans gibt es eine offizielle Stellungnahme zur Unglücksursache. „Nach ersten Erkenntnissen könnte ein technischer Defekt den Brand verursacht haben“, teilte die Bundespolizei am Montag mit. Vier Menschen wurden durch Rauch verletzt. 

Wie berichtet sollte der Sonderzug Fans des SC Freiburg nach dem Spiel gegen 1. FC Union Berlin am Abend nach Hause bringen. Lok und Wagen hatten den Tag in der Abstellanlage Grunewald verbracht. Die Fahrt mit  der bahninternen Zugnummer DPE 86363 sollte in Charlottenburg beginnen. Dort stiegen die Fahrgäste ein – insgesamt 760 Menschen. 

Doch noch im Bahnhof fiel einigen von ihnen auf, dass etwas nicht stimmte. Eine halbe Stunde vor Abfahrt habe sich in dem Wagen, der später in Brand geriet, Rauch entwickelt, schrieb Cathrine Reisch bei Facebook. „Es wäre lediglich die Heizung, welche sich aufheizte“, sei ihr erklärt worden. „Der Gestank war allerdings schon dort sehr verdächtig.“

Brandherd in der Zwischendecke?

Das Feuer sei offenbar in der Zwischendecke ausgebrochen, so die Frau, die sich nach eigenen Angaben im Abteil nebenan aufhielt. Ein anderer Facebook-Teilnehmer bestätigte, dass sich das Feuer zunächst hinter einer Zwischendecke befand. „Es waren erst offene Flammen zu sehen, als ich zusammen mit einem Bahnverantwortlichen die Decke mit dem Feuerlöscher einschlug“, schrieb er bei Facebook.

Der Brand sei also nicht in einem Abteil entstanden – diese Einschätzung ist offenbar eine Reaktion auf Vermutungen, dass Freiburg-Fans gezündelt haben könnten. Doch auch die Ermittler gehen nicht davon aus. Hinweise auf gezündete Böller oder auf vorsätzliche Brandstiftung gebe es nicht, hieß es. Kurz nach dem Spiel hatte es Kritik gegeben, weil Freiburg-Fans im Stadion an der Alten Försterei in Köpenick Bengalos entzündet hatten. 

Allerdings gibt es weiterhin Zweifel daran, ob wirklich ein technischer Defekt die Ursache war. "Im Brandbereich gibt es keine Gefahr durch technische Bauteile, weil da einfach keine sind", schrieb Facebook-Teilnehmer Willi Berghoff. Schon die ersten Erklärungen von Sonnabend, wonach das Feuer in der Heizungsanlage ausgebrochen sein könnte, hatten Skepsis hervorgerufen. 

Das Feuer entstand in einem Erste-Klasse-Wagen, der dem Vernehmen nach die Nummer 56 80 10-40 122-8 trägt. Es handelt sich um ein älteres Fahrzeug des Typs Am mit zehn Abteilen, das einst von der Deutschen Bundesbahn angeschafft worden war. 

Rauch auch im Sonderzug Dresden-Berlin

Eigentümer ist die Centralbahn AG, die seit vielen Jahren Charterzüge für 150 bis 1 000 Fahrgäste betreibt - nach eigenen Schätzung gab es bislang schon mehr als 4000 Fahrten. Zu der firmeneigenen Fahrzeugflotte gehören neben weiteren Wagen und Loks auch 22 Erste-Klasse-Wagen.

Am Sonntag zeigte sich das Schweizer Unternehmen in einer Facebook-Mitteilung „sehr betroffen“ von dem Brand. Ein technischer Defekt werde aber ausgeschlossen, „da der Brand offensichtlich im Innern eines Abteils in der Wagenmitte ausgebrochen ist, wo es keine Technik gibt“. Ein Heizungsschaden scheide „völlig aus, da sich die Technik dazu unter dem Wagen befindet – im Inneren des Wagens verlaufen lediglich Heizwasserleitungen“, hieß es. Der von dem Brand am Sonnabend betroffene Wagen habe eine Warmwasserheizung, die beim Brand nicht beschädigt worden sei.

Am Montag teilte die Centralbahn weiter mit: "Wir führen seit mehr als 30 Jahren Reise-Sonderzüge mit meist eigenen Lokomotiven und Reisezugwagen durch. Es gab in all den Jahren nie einen ernsthaften Zwischenfall. Unsere Fahrzeuge werden nach den Vorschriften der Eisenbahn- Bau- und Betriebsordnung regelmäßig untersucht, die letzte Untersuchung des betroffenen Wagens liegt etwa zwei Jahre zurück.  Der betroffene Wagen stammt vom Baujahr 1984 und fährt seit 1994 für die Centralbahn. Das Alter von Schienenfahrzeugen ist mit dem von Straßenfahrzeugen nicht zu vergleichen, da Bauteile regelmäßig erneuert werden." Einem Hinweis zufolge ist 1984 das Jahr, in dem der Wagen umfassend umgebaut wurde - sein "Ursprung" geht bereits auf 1954 zurück.

Ein Vorfall, der aber glimpflich ausging, war wenige Wochen zuvor gemeldet worden. Er ereignete sich am 24. August in einem Charterzug der Centralbahn, der Teilnehmer der Unteilbar-Demonstration in Dresden nach Berlin zurückbringen sollte. Weil es in zwei Wagen zu „starker Rauchentwicklung“ gekommen war, mussten Fahrgäste in andere Wagen umziehen, teilte die Gewerkschaft Verdi mit, deren Landesverband Berlin-Brandenburg Fahrkartenkontingente gebucht hatte. 

Felix Müller, ein Sprecher von Unteilbar, bestätigte, dass es in einem der beiden Sonderzüge von Dresden nach Berlin Rauchentwicklung gegeben habe. Von einem Kabelbrand sei die Rede gewesen. "Wir wissen aber nicht, ob der Wagen, der am Sonnabend in Berlin brannte, betroffen war", sagte Müller am Montag. Informationen seiner Mitstreiter zufolge führte der betroffene Sonderzug keine Erste-Klasse-Wagen.

Die Centralbahn AG gab am Montag eine andere Schilderung: "Die Rauchentwicklung entstand durch eine feste Bremse. Sie wurde ausgeschaltet und funktionierte danach wieder einwandfrei, ein Vorfall, der hin und wieder im Eisenbahnbetrieb vorkommt, wenn eine Bremse 'überlädt', wie der Fachmann sagt. Der Wagen vom Wochenende war davon nicht betroffen. Es bestand keinerlei Gefahrensituation", teilte das Unternehmen mit.

Keine Schäden an der Strecke

Wegen des Feuers musste der Sonderzug mit den Freiburg-Fans, der am Sonnabend über Jüterbog nach Freiburg fahren sollte, auf der Stadtbahn neben dem S-Bahnhof Bellevue anhalten. Die letzten Wagen wurden bis Sonntag gegen 9.30 Uhr abgeschleppt, sagte ein Bahnsprecher.

Inzwischen steht der Zug in der Abstellanlage Grunewald - für die Untersuchung. Schäden an der Trasse hat dass Feuer nicht verursacht, hieß es. "Es musste lediglich ein Stück Oberleitung ausgewechselt werden."