In die Reihe der bedeutenden Berliner Bauprojekte (BER, Staatsoper...), die deutlich länger als vorgesehen dauern und obendrein teurer werden, reiht sich nun auch das geplante Einheits- und Freiheitsdenkmal in Mitte ein. Wie berichtet, warnte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) vor weiteren Verzögerungen bei der Planung des Projekts, das bereits 2007 vom Deutschen Bundestag beschlossen worden war. „Das kann teuer werden!“, erklärte Grütters angesichts sich häufender Probleme, von denen die Umsiedlung von Fledermäusen von der Baustelle in den Plänterwald noch das geringste zu sein scheint.

Die Behindertenrampe wird viel zu steil

Auch das mit der Bauplanung betraute Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) räumt Probleme mit dem Berliner Denkmalschutz und dem behindertengerechten Zugang zum Denkmal ein. „Die für ein solches Vorhaben bestehenden Risiken könnten – sofern sie eintreten – zu Terminverschiebungen führen,“ teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Der vorliegende Rahmenterminplan sehe den Baubeginn im August 2014 vor. Voraussetzung für dessen Einhaltung sei aber, dass Berlin die erforderlichen Genehmigungen erteilt. Darum sei Berlin bemüht, es gebe intensive Gespräche mit allen Beteiligten, sagte Daniela Augenstein, Sprecherin der für den Denkmalschutz zuständigen Stadtentwicklungsverwaltung. „Wir versuchen alles, um das Denkmal zu ermöglichen“.

Beim Berliner Beauftragten für Menschen mit Behinderungen sieht es aber derzeit nicht nach einem schnellen Kompromiss aus. Die bisher geplante Rampe, mit der Rollstuhlfahrer das Denkmal erreichen sollen, ist mit knapp sieben Prozent Steigung zu steil, nach der Berliner Bauordnung dürfen es nur sechs Prozent sein. Ihr Amt und der Berliner Landesbeirat für Behinderte seien sich einig, dass es bei einem solch prominenten öffentlichen Bauwerk wegen der schlechten Vorbildwirkung keine Ausnahme geben könne, sagte Heike Schwarz-Weineck, Büroleiterin des Behindertenbeauftragten. Die Rampe müsste umkonstruiert werden. Das führt auf der Problemliste des BBR zu einem weiteren Eintrag, weil dies mehr Grundstücksfläche benötigt als derzeit zur Verfügung steht.

Mosaiken machen den Bau politisch pikant

Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass das Denkmal – eine riesige, begehbare Schale, die an die friedliche Revolution und die Wiedervereinigung erinnern soll – auf dem Sockel errichtet werden soll, auf dem von 1897 an das Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal stand. Das Reiterstandbild wurde 1950 von der DDR abgerissen. Unter einer Schutzschicht aus Teer hat der Berliner Denkmalschutz auf dem Sockel jedoch zwischenzeitlich Mosaiken aus der wilhelminischen Zeit freigelegt, die sichtbar erhalten werden sollen. Das führt zu technischen Problemen beim Bau der neuen Denkmalschale und ist zudem politisch pikant: Die Mosaiken zeigen Wappen der deutschen Gebiete aus der Kaiserzeit, von denen einige als Kriegsfolge heute zu osteuropäischen Staaten gehören.

Ob ein deutsches Nationaldenkmal für diese Art der Erinnerung an verlorene Gebiete der richtige Ort ist, will der Verein Deutsche Gesellschaft, der den Bau des Denkmals maßgeblich unterstützt, in einer seiner nächsten Vorstandssitzungen diskutieren. Andreas Apelt, Bevollmächtigter des Vorstands, sagte, er sei zuversichtlich, dass alle Probleme lösbar seien, „idealerweise zum 25-jährigen Jubiläum der deutschen Einheit 2015.“ Im Zweifel gehe aber Qualität vor Geschwindigkeit. Bleibt die Kostenfrage. Der Bundestag hatte 2007 zehn Millionen Euro bewilligt, die schon aufgrund der üblichen Preissteigerungen nicht mehr reichen dürften. Und damals war von den jetzigen Problemen noch keine Rede.