Vor acht Jahren hat der Deutsche Bundestag beschlossen, vor dem im Bau befindlichen Humboldt-Forum ein Freiheits- und Einheitsdenkmal zu errichten, das an die friedliche Revolution 1989 und die deutsche Einheit 1990 erinnern soll. Am kommenden Mittwoch steht im Kulturausschuss des Parlaments die Frage an, warum es mit der Planung des Nationaldenkmals nicht vorangeht. „Wir wollen uns über den Stand der Dinge informieren lassen“, kündigte die Berliner Bundestagsabgeordnete Eva Högl (SPD) an. Anlass sind besorgte Äußerungen von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) vom April, die vor Verzögerungen bei der Planung des Denkmals und möglichen Kostensteigerungen gewarnt hatte.

Das hat die Abgeordneten aufgeschreckt, das Parlament ist Bauherr. Die Kulturministerin hatte unter anderem Probleme mit unter Artenschutz stehenden Fledermäusen sowie dem Berliner Denkmalschutz angeführt. Sie ergeben sich daraus, dass das neue Denkmal auf dem Sockel des ehemaligen Reiterdenkmals Kaiser Wilhelm I. aufgestellt werden soll, auf dessen Oberfläche historische Mosaike aus der Kaiserzeit freigelegt wurden. Die will Landeskonservator Jörg Haspel am authentischen Ort erhalten, was den Planungen für das Freiheits- und Einheitsdenkmal, einer riesigen Wippe, in die Quere kommt.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Lengsfeld, der im Kulturausschuss sitzt, nahm den Konflikt um die kaiserlichen Mosaike zum Anlass zu heftiger Kritik am Berliner Landeskonservator und der Senatsbauverwaltung. Lengsfeld forderte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher „unmissverständlich auf, ihrer rechtlichen und vor allem politischen Verantwortung gerecht zu werden. „Ich bin mir sicher, dass für die Mosaike durchaus eine kostengünstige, angemessene konservatorische Lösung mit politischer Einordnung an einem anderen Ort möglich ist.“

Der Abgeordnete hegt offenbar den Verdacht, dass hinter dem Vorgehen des Denkmalschutzes ideologische Motive stecken. Die momentane Rolle des Denkmalschutzes in der politischen Diskussion um die historische Mitte Berlins sei ihm nicht nur bezüglich des Freiheits- und Einheitsdenkmals suspekt, sagte Lengsfeld und führte den Denkmalschutz für DDR-Bauten am nördlichen Alexanderplatz an. „Eine weitere, politische Attacke auf von manchen nicht gewollte Veränderungen im Bereich der historischen Mitte Berlins unter dem Deckmantel des Denkmalschutzes darf es nicht geben,“ sagte Lengsfeld mit Blick auf den Streit um das neue Denkmal. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wollte die Vorwürfe nicht kommentieren.

Landeskonservator Jörg Haspel kann für sich in Anspruch nehmen, dass der kaiserliche Denkmalsockel bereits 1995 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Bei der Ausschreibung des Gestaltungswettbewerbs verzeichnet das Protokoll der Preisrichterbesprechung vom November 2008 zudem, dass Haspel ausdrücklich auf erhaltenswerte historische Bodenbeläge hinweist. „Im Rahmen des Wettbewerbs soll eine bewusste Auseinandersetzung mit den historischen Merkmalen des Sockels beziehungsweise der Sockeloberfläche gesucht und Gestaltungsvorschläge für die künftige Ausgestaltung gemacht werden,“ ließ Haspel ins damalige Protokoll schreiben.

Allerdings wurden erst im November 2013 von der Fachfirma Steinhof-Restaurierungen größere Sondierungen auf dem Sockel vorgenommen. Zum Vorschein kam quadratmeterweise kunstvolles Mosaik aus Marmor und Granit. Nach erster Einschätzung von Restaurator Andreas Rentmeister lassen sich die Mosaiken, die teils Krone und Insignien von Kaiser Wilhelm I., teils Schmuckmuster zeigen, reinigen und instand setzen. Dazu müssen sie allerdings aufgearbeitet werden, um am originalen Ort auf dem Sockel auf einer neuen Tragschicht verlegt zu werden – an einem Ort, an dem ansonsten wenig authentische Bauzeugnisse an die Zeit des Berliner Schlosses erinnern.