Offiziell will die Senatsbildungsverwaltung das Fremdsprachenangebot an den Berliner Schulen ausbauen. Arabisch wird demnächst angeboten, Türkisch und Kurdisch auch. Ein Angebot gerade auch für Muttersprachler soll es sein. Doch eine Fremdsprache wird künftig nicht mehr unterrichtet: Holländisch. Dafür ist offenbar kein Geld mehr da.

Seit 2004 wird es an der heutigen Halvorsen-Sekundarschule im Dahlem als zweite Fremdsprache unterrichtet. Doch im neuen Stundenplan ist Niederländisch für die 7. Klasse nicht mehr vorgesehen, kritisieren Eltern. „Das ist sehr betrüblich, wir hatten immer viele Anmeldungen“, sagt der Niederländisch-Lehrer Karel Anthonijs auf Anfrage. Er musste jetzt in den Ferien die Schüler informieren, dass der geplante Kurs wohl nicht zustande kommt.

Bericht liegen geblieben

Inzwischen haben sich die niederländische Botschaft sowie die belgische Region Flandern, wo ebenfalls Niederländisch gesprochen wird, mit offiziellen Bittschreiben an Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) gewandt. „Deutschland und die Niederlande arbeiten wirtschaftlich, politisch und kulturell eng zusammen“, heißt es in dem Schreiben der niederländischen Botschaft, das der Berliner Zeitung vorliegt. „Umso wichtiger finden wir, dass man fernab der deutsch-niederländischen Grenze an einer weiterführenden Schule Niederländisch lernen kann.“

Und Koen Haverbeke, Generaldelegierter von Flandern in Berlin, verweist in seinem Schreiben darauf, dass weltweit ungefähr 24 Millionen Menschen Niederländisch sprechen. „Innerhalb der EU belegt die Sprache einen ehrenhaften achten Platz“, schreibt er weiter.

Niederländisch wird an der Halverson-Schule bisher in Rahmen eines Schulversuchs angeboten. Dieser läuft nun nach dem Willen der Bildungsverwaltung aus. Die bisherigen Verantwortlichen, die Niederländisch-Lehrer Karel Anthonijs und Norbert Look , wurden deshalb aufgefordert, einen Abschlussbericht zu schreiben. Ihren ersten Bericht mussten sie noch einmal überarbeiten, so wollte es die Schulverwaltung. Die überarbeitete Fassung liegt nun seit Monaten bei der zuständigen Schulrätin. Bisher sei er nicht weitergeleitet worden, berichtet Lehrer Look auf Anfrage. Noch sei eine definitive Entscheidung über die Anerkennung nicht gefallen, aber Niederländisch habe offenbar keine Lobby in der Verwaltung.

Treffen mit dem König

Die Schulleiterin jedenfalls strich Niederländisch für Anfänger für das kommende Schuljahr vom Stundenplan – ohne den zuständigen Lehrer Anthonijs vorab zu informieren. Dabei waren die Niederländisch-Kurse stets stark nachgefragt. „Auch Schüler, die sich mit Französisch schwer taten, konnten so eine zweite Fremdsprache erlernen“, sagt Look, ein Sprachenliebhaber, der das Niederländisch an der damaligen Realschule eingeführt hat.

Viel Anerkennung hat er dafür bekommen, sogar vom niederländischen König Willem-Alexander. Bei bei einem Staatsbesuch im Schloss Bellevue lobte der Monarch Lehrer Look und die Schüler, die sich ums Niederländische in Berlin verdient machen. Doch damit ist jetzt vorbei. Wat jammer, wie man in den Niederlanden sagt.