Französisch ist zwar eine schöne Sprache, doch in Berlin wird sie an immer weniger Schulen gelehrt. In drei von zwölf Bezirken – in Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick und Spandau – ist es an Grundschulen überhaupt nicht mehr möglich, Französisch als erste Fremdsprache zu wählen. Und auch an den Oberschulen wird sie seltener angeboten.

Die Martin-Buber-Sekundarschule in Spandau musste vor ein paar Monaten auf Druck der Schulverwaltung ihr Französisch-Angebot in der 7. Klasse einstellen. Denn in ganz Spandau wollten zu Beginn des Schuljahres nur 33 Schüler Französisch als Erstsprache lernen – das hätte eine Lehrerstelle aber nicht gerechtfertigt. Vor drei Jahren noch hatte es dreimal so viele Anmeldungen gegeben.

„Wir hätten das Angebot, das wir schon seit mehr als 20 Jahren machen, gerne weitergeführt“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Anita Raczek-Schlaf. Eltern wie Claudia Trzonnek sind über die kurzfristige Entscheidung regelrecht erbost. Sie wollte ihren Sohn in die Französisch-Klasse der beliebten Schule schicken, hatte ihn extra Grundschulen mit Erstsprache Französisch besuchen lassen. „Das ist eine Farce“, sagt die Frau aus Staaken. Jetzt weiß sie nicht, an welcher Oberschule sie ihren Sohn überhaupt anmelden soll.

Französisch-Wahl gilt als riskant

Der Gründe für die Malaise des Schul-Französisch sind vielfältig: Da ist zum einen die zunehmende Dominanz des Englischen in allen Lebensbereichen. Da gilt vielen Eltern die Französisch-Wahl als riskant. Seit der Grundschulreform 2005 wird die erste Fremdsprache schon in der 3. statt bisher in der 5. Klasse gewählt, die zweite folgt dann in der 7. Klasse.

Wer also Französisch in der 3. Klasse wählt, legt sich früh fest: Der Schüler muss dann eine weiterführende Schule finden, die Französisch als erste Fremdsprache anbietet. „Das schreckt viele Eltern ab“, weiß Elke Philipp, Vorsitzende der Französischlehrer-Vereinigung. „Wegen der sechsjährigen Grundschulzeit beginnen die Schüler in Berlin und Brandenburg die zweite Fremdsprache erst zwei Jahre später als in anderen Bundesländern.“ Elke Philipp regt an, dass man in den 5. und 6. Klassen wenigstens eine weitere Fremdsprachen-AG anbieten sollte, um die Kinder an die zweite Sprache zu gewöhnen.

Zudem konkurriert das Französische auch als zweite Fremdsprache verstärkt mit dem Spanischen, das weltweit deutlich mehr Menschen als Muttersprache haben. „Spanisch ist bei Schülern deutlich beliebter“, bestätigt die stellvertretende Schulleiterin der Martin-Buber-Sekundarschule. Nach einer Statistik der Bildungsverwaltung hat sich die Zahl der erteilten Französischstunden innerhalb von fünf Jahren um zehn Prozent reduziert. Der Anteil der Schüler, die Spanisch lernen, hat sich hingegen seit dem Schuljahr 2004/05 verdoppelt.

Die Sprache des Verbündeten

Nicht wenige Lehrer meinen, dass Spanisch etwas einfacher zu lernen sei als Französisch mit seiner komplizierten Aussprache. Doch Elke Philipp von der Vereinigung der Französisch-Lehrer sieht das Französische nicht generell auf dem Rückzug. „Besonders bildungsbürgerliche Familien entscheiden sich immer noch für Französisch“, sagt sie. Nicht wenige Eltern hoffen, dass ihre Kinder mit dieser Fremdsprache leichter an besonders nachgefragten Schulen wie dem Ossietzky-Gymnasium in Pankow unterkommen. Dort werden eigene Französisch-Klassen eingerichtet. Der verlangte Notenschnitt ist nicht so hoch wie in den Regelklassen.

Insgesamt aber sieht Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) dringenden Handlungsbedarf. Es gab bereits mehrere Treffen mit Französischlehrern, um die Sprache des wichtigsten politischen Verbündeten Deutschlands zu stützen. Die Schulen sollen sich vernetzen und künftig konzertiert für Französisch werben. Mitunter erlaubte es die Schulaufsicht schon in der Vergangenheit nicht mehr, dass Schulen ihr Spanischangebot erweitern. Im Frühjahr will Rackles ein Gesamtkonzept zur Stärkung der Unterrichtssprache Französisch vorlegen. Zudem überarbeitet die Schulverwaltung gerade das Konzept der Europaschulen. Dort können Kinder von Muttersprachlern bilinguale Klassen besuchen. In einem Stadtteil wie Prenzlauer Berg stellen Franzosen derzeit die größte Migrantengruppe dar.