Berlin - Als Kind las ich bei Brecht „Wer baute das siebentorige Theben? In den Büchern stehen die Namen von Königen. Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?“ und hielt das sofort für eine berechtigte Frage. Auch heute stelle ich sie mir oft, wie sie so war, die Arbeit an den berühmten Bauwerken, die wir bestaunen. Zuletzt am Sowjetischen Ehrenmal in Treptow. Bei der Beantwortung fand ich heraus, dass auch besondere Essenszuteilungen dazu beitrugen. Die durch Krieg und Entbehrung ausgehungerten Maschinisten, Maurer, Steinsetzer, Ingenieure und andere aus Ost- und Westberlin bekamen sie für die Anstrengungen während des Baus von Juni 1947 bis Mai 1949.

40.000 Kubikmeter Granit wurden bewegt, zehntausende Sträucher und Bäume gepflanzt. In seiner Dissertation „Der Triumph des Sieges über den Tod“ schreibt Peter Fibich, dass 60 Bildhauer und 200 Steinmetze die Entwürfe des sowjetischen Bildhauers Jewgeni W. Wutschetitsch (1908–1974) für das Kriegerdenkmal umsetzten. „Insgesamt 1200 Arbeiter wurden durch die Arbeitsämter der Stadt vermittelt. Bauleiter Grigori Krawzow berichtete von ‚Fluktuationen‘ der Arbeitskräfte, denen man durch materielle Stimulierung und Erziehungsarbeit begegnet sei.“ Als Anreiz wurde auch das begehrte „Kotikow-Paket“ mit zusätzlicher Verpflegung von 250 Gramm Brot und einem warmen Essen, das nach dem damaligen Stadtkommandanten benannt war, ausgeteilt. Steinmetz Heinz Walter erzählt im Buch „Das Treptower Ehrenmal“ (Staatsverlag der deutschen Demokratischen Republik; 1987), das ich im Archiv des Bezirks Treptow-Köpenick fand: „Wir bekamen für unsere schwere und gesundheitsgefährdende Arbeit die Schwerarbeiter-Lebensmittelkarte, außerdem täglich eine warme Mahlzeit und 250 Gramm Brot zusätzlich.“

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