Seit fast zwei Jahren streiten der Investor Bauwert und der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg über die Bebauung des sogenannten Freudenberg-Areals an der Boxhagener Straße in Friedrichshain, jetzt kommt das Projekt endlich voran: Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat dem Investor, der Bauwert Investment Group, einen positiven Bauvorbescheid erteilt und ihm damit ein rechtsverbindliches Baurecht geschaffen.

Mieten von 6,50 Euro

Auf der rund 28.000 Quadratmeter großen Fläche, auf der bis vor wenigen Jahren Spezialdichtungen für die Autoindustrie gefertigt wurden, sollen insgesamt rund 660 Wohnungen entstehen. Der Bezirk wollte dafür einen langwierigen Bebauungsplan aufstellen, doch der ist mit der Entscheidung der Senatsverwaltung vom Tisch. Das Projekt kann jetzt schneller realisiert werden. Es gilt inzwischen als beispielhaft für die Entwicklung auf dem Berliner Wohnungsmarkt.

Denn der Privatinvestor Bauwert und die städtische Wohnungsbaugesellschaft Howoge kooperieren dort. Mit dem Ergebnis, dass dort viel mehr preisgünstige Mietwohnungen entstehen als ursprünglich vorgesehen. Die Howoge kauft der Bauwert nämlich zwei Gebäude mit insgesamt 122 Mietwohnungen sowie eine Kita mit etwa 90 Plätzen ab.

Die landeseigene Gesellschaft erhält dafür eine Wohnungsbauförderung vom Senat und kann ihre Wohnungen für durchschnittlich 6,50 Euro pro Quadratmeter (nettokalt) preisgünstig vermieten. Die Bauwert hatte ursprünglich 40 bis 50 preisgünstige Wohnungen zugesagt. Jetzt sind es fast dreimal so viele. Entsprechend positiv bewertet Howoge-Chefin Stefanie Fensch das Geschäft: „Der Wohnungsneubau ist das wichtigste Instrument, um den steigenden Mieten zu begegnen.“ Das Projekt folge den Vereinbarungen des „Bündnisses für Wohnungsneubau in Berlin“, das vorige Woche gegründet wurde.

100 Eigentumswohnungen, 400 zur Miete

Von den restlichen gut 500 Wohnungen auf der Brache zwischen Boxhagener, Weser- und Holteistraße will die Bauwert etwa 100 als Eigentum und 400 zur Miete bauen. Außerdem sollen Büros, ein Café und Läden entstehen.

Gegen das Bauprojekt gibt es seit Jahren Widerstand bei Anwohnern. Sie kritisieren eine zu dichte Bebauung und wollen statt der vielen Wohnungen dreimal so große Grünflächen wie geplant. Eine Initiative bereitet derzeit ein Bürgerbegehren für eine neue Planung vor. Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) sieht dies kritisch. Er sagt: „Wir können zwar eine größere Grünfläche beschließen, aber dann müsste der Bezirk dem Eigentümer eine Millionen-Entschädigung für entgangene Gewinne bezahlen.“