Berlin - 5000 Demonstranten hatten die Berlin-Aktivisten der „Fridays-for-Future“-Demonstration angemeldet, doch viel mehr streikende Schüler kamen an diesem Freitagmorgen auf dem Invalidenplatz in Mitte zusammen – unter den Augen der großen Politik genau zwischen Bundeswirtschafts- und Bundesverkehrsministerium. Die Veranstalter sprachen von 25.000 Teilnehmern, die Polizei von 20.000. „Rettet die Polarbären!“ oder „Zwischen Natur und Wirtschaft gehört kein oder“, steht auf den Plakaten der Schüler, die mehr Umweltschutz und ein konsequenteres Vorgehen gegen den Klimawandel fordern. Wegen des anhalten Stroms von Schülern mussten Polizisten eilig die komplette Invalidenstraße für den Verkehr sperren.

Zu Beginn der Veranstaltung gibt es eine Schweigeminute für die Opfer der Terroranschläge in Neuseeland. Anschließend spricht ein Wissenschaftler von der Gruppe „Scientists for Future“ zu den Jugendlichen. „Ihr tut genau das Richtige, Ihr kümmert Euch um die Zukunft des Planeten!“, ruft er. Dazu springen viele Schüler auf und nieder, skandierten „There is no Plan(et) B!“. Es gibt keinen zweiten Planeten.

Fridays for Future in Berlin: Viele Schüler kommen mit ihren Lehrern

Viele Lehrer sind mit ihren Schülern gekommen, zum Beispiel die 5. und 6. Klassen der Spandauer Carl-Schurz-Grundschule. „Wir machen hier einen Wandertag im Rahmen des Lebenskundeunterrichtes“, sagt eine Lehrerin. Selbst die Erst-, Zweit- und Drittklässler der Gustav-Falke-Grundschule nehmen an der Demonstration teil – mit roten Kopfhörern schützen sich die Kleinen gegen den Demo-Lärm. „Wir machen ein demokratiepädagogisches Projekt“, erläutert eine andere Lehrerin.

Nachdem sich Bildungssenatorin Sandra Scheeres wohlwollend gegenüber den „Fridays-for-Future“-Protesten gezeigt hatte, haben viele Schulen Beurlaubungsanträge von Eltern für ihre Kinder akzeptiert. Andere Schulen nahmen im Rahmen von Exkursionen oder Wandertagen an der Demonstration teil, andere erfassen keine Fehlzeiten. „Bei uns sind aber nur 8 von 24 Schüler aus der Klasse mitgekommen“, sagt Benjamin von der 5a der Platanen-Grundschule in Blankenfelde. „Andere hatten Angst, dass sie unentschuldigt fehlen, oder die Eltern wollte das nicht, auch weil sie glauben, die Kinder könnten verloren gehen“, sagt der Fünftklässler. Auch viele Oberstufenschüler sind hier, die eigentlich gerade das Abitur machen. Einige Gymnasiasten aus dem brandenburgischen Oranienburg haben auch ein paar Flaschen Bier dabei und hören Songs aus der mitgeführten Musikbox.

Eckart von Hirschhausen als Redner auf der Klima-Demo

Der Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen tritt ebenfalls als Redner auf, präsentiert von seiner Nichte, die mitdemonstriert. „Meine Generation – ich bin Jahrgang 1967 – hat vielleicht nicht genug für das Weltklima getan“, gab Eckart von Hirschhausen am Rande der Demo zu bedenken. Früher hätte man gegen Atomkraft demonstriert. „Aber dann sind wir wegen des neoliberalen Booms irgendwann schlafen gegangen“, äußerte er sich selbstkritisch. Da sei es besonders gut, das jetzt eine neue Generation aktiv sei.

Weltweit protestierten am Freitag Hunderttausende Schüler in mehr als 100 Ländern. Die Initiatorin der Proteste, Greta Thunberg, wurde inzwischen sogar für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.