Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“, der Chor von Tausenden Schülern und Studenten hallt an diesem Freitagmittag immer wieder am Brandenburger Tor. Kurz zuvor hatten Aktivistinnen der Klimabewegung wie Greta Thunberg und Luisa Neubauer erneut zum  weltweiten  Klimastreik der Fridays-for-Future-Bewegung aufgerufen – nicht nur die Jugend. In Berlin steht an diesem Tag die Europawahl am Sonntag im Mittelpunkt. 

Bei vielen Schülern gilt die Beteiligung an der Fridays for Future Demonstration als Projekttag

 So schallen Rufe wie „Gegen Nationalisten, Populisten und Klimalügner!“, von der Bühne. „Wir wollen heute die Wahlbeteiligung am Sonntag noch einmal richtig hochpushen“, sagt Franziska Wessel, eine der Berliner Organisatorinnen des Protests. Noch immer gebe es unentschlossene. Und man wolle ihnen klar machen, wie wichtig  die Wahl sei. „Geht wählen fürs Klima.“ Franziska  ist 15 Jahre alt und müsste eigentlich im Unterricht am Werner-von-Siemens-Gymnasium sitzen. Doch sie  erklärt, dass gerade dieser Freitag  wichtig sei. „Weil wir am Sonntag das letzte EU-Parlament wählen, das beim Klimaschutz wirklich noch etwas ändern kann.

Zum Brandenburger Tor sind auffallend viele Schulklassen geströmt – bei den meisten gilt die Demo-Beteiligung an diesem Freitag als Projekttag und nicht als Fehlzeit. So auch für 55 Kinder der  dritten, vierten und fünften Klasse der deutsch-türkischen Europaschule aus Kreuzberg. „Wir sind wegen unserer Zukunft hier“, erklärt die elfjährige Karin, die wie ihre Mitschüler das erste Mal bei den Klimaprotesten ist.

 „Wir müssen doch etwas tun für die Generationen nach uns“, sagt Maria Kammertöns, die an der Schule humanistische Lebenskunde lehrt.  Sie trägt ein Plakat um den Hals auf dem steht: „20.000 Becher pro Stunde in Berlin. Wahnsinn!“ Auf dem Kopf trägt die 65-Jährige einen Hut mit angenähten Einwegkaffeebechern. „Ich habe bis vor kurzem auch noch solche Becher genutzt. Bis ich von dieser unglaublichen Anzahl gehört habe“, so die Lehrerin.  

Auch zahlreiche Studenten folgten dem Aufruf der Demonstration

Steve Beckmann aus Rahnsdorf steckt in einem Schneemann-Kostüm, mit dem er auf die Klimaveränderungen aufmerksam machen will. Der 51-Jährige ist mit seiner Tochter Felizitaz zum Protest gekommen, sie ist bereits zum achten Mal dabei. Er unterstützt den Wunsch der Jugend nach Klimaschutz und schätzt das Engagement seiner 14-jährigen Tochter. Mehr als  den verpassten Unterricht.   Die Schule habe ein Attest verlangt. „Aber meine Tochter ist ja nicht krank“, sagt Beckmann.

Zahlreiche Studenten sind dem Aufruf „Raus aus den Hörsälen, rauf auf die Straße“, gefolgt. Ärzte halten Transparente hoch und machen so deutlich, dass sie den Protest der Jugend unterstützen. Auch Senioren sind im Demonstrationszug immer wieder auszumachen mit Schildern auf denen steht „Omas für die Zukunft ihrer Enkel“.

Die Diskussion über die Teilnahme von Schülern an Fridays for Future geht weiter

Bei einigen Demonstranten ist an diesem Tag  von Repressalien die Rede. So sei besonders aktiven Schülern im  Lessing-Gymnasium in Wedding mit Sitzenbleiben gedroht worden, wenn sie weiterhin an den Freitagsprotesten teilnehmen würden.   Schulleiter Michael Wüstenberg widerspricht. Er sagt, er begrüße  sogar das Engagement der Jugend für den Klimaschutz. Kein Schüler seines Gymnasiums, der an Friday for Future  teilgenommen habe, habe jemals einen Tadel bekommen.

 Schulleiter Wüstenberg sagt, er habe zwei Schreiben an die Eltern der Schüler gerichtet – das letzte nach Ostern, als die absehbar gewesen sei, dass die Proteste weitergehen würden. Damit habe er aber nicht mit Nichtversetzung drohen, sondern lediglich rechtzeitig informieren wollen –  dass man für eine  Benotung  in einem Fach sechs Wochen ununterbrochen daran teilgenommen haben müsse.