Berlin - Mehrere hundert Menschen haben in Berlin gegen die Räumung eines linken Kiezladens in der Friedelstraße 54 in Neukölln demonstriert. Rund 300 überwiegend junge Demonstranten starteten am Samstagabend gegen 21.00 Uhr in Friedrichshain und zogen von der Dolziger Straße in Richtung Samariter Straße. Später wuchs der Demonstrationszug auf 900 bis 1000 Teilnehmer an. Er sollte durch die Rigaer Straße mit früher besetzten Häusern, über die Oberbaumbrücke, durch den Görlitzer Park und die Friedelstraße zum Hermannplatz führen. 

Viele Teilnehmer waren ganz in schwarz gekleidet, manche gehörten zur linksautonomen Szene. Die Stimmung war insgesamt eher friedlich. Allerdings zündeten einige Demonstranten Böller und vereinzelt wurden Flaschen geworfen. Auch auf Hausdächern wurden Feuerwerkskörper gezündet. Zwei Polizisten wurden bei Böllerwürfen in der Rigaer Straße verletzt, teilte die Polizei über Twitter mit.

Die Polizei war mit einem größeren Aufgebot in den Seitenstraßen präsent. Am Bersarinplatz waren zum Beginn der Demonstration etwa 500 Polizeibeamte positioniert.

Demonstranten trugen Transparente, auf denen stand „Gegen die Stadt der Reichen“ und „Investorenträume platzen lassen“. Auf einem Transparent war auch "Filou bleibt" zu lesen. Das Café Filou in der Reichenberger Straße in Kreuzberg konnte kürzlich seine Schließung verhindern. Nach Protesten von Anwohnern zog der Vermieter des Cafés die Kündigung des Mietvertrages wieder zurück. 

Indirekte Aufrufe zur Gewalt

Im Internet hatte es zuvor indirekte Aufrufe zur Gewalt gegeben. Dort hieß es: „Es gibt ohne Friedel keinen Frieden! Tanzt den Trümmertango mit uns am 22.04 und behaltet den Rhythmus in den folgenden Wochen.“

In rund einer Woche ist die jährliche große 1. Mai-Demonstration der linksextremen Szene in Kreuzberg geplant. Die früher heftigen Krawalle sind in den vergangenen Jahren von der Polizei eingedämmt worden. In diesem Jahr will die linksautonome und gewaltbereite Szene den 1. Mai aber als Mobilisierungstag für die noch größeren Proteste Anfang Juli gegen den G20-Gipfel in Hamburg nutzen. (kln, mit dpa)